Suche nach außerirdischen Zivilisationen in anderen Galaxien

Bereits 1960 stellte der Physiker Freeman Dyson die Theorie auf, dass fortgeschrittene, außerirdische Zivilisationen mit zunehmenden, technologischen Fortschritt immer größere Energiemengen benötigen würden. Dyson spekulierte, dass sie hierfür Energie von Sternen beziehen könnten, indem sie diese mit gigantischen Sonnenkollektoren umgeben. Die Solarpaneelen dieser sog. Dyson-Sphären würden das Sternenlicht abschwächen, so dass die von der außerirdischen Zivilisation abgestrahlte Energie dieses „überstrahlen“ würde.

Der russische Astronom Nikolai Kardashev spann diese Idee noch weiter und entwickelte ein Klassifikationssystem außerirdischer Zivilisationen. Eine Zivilisation der Kategorie 1 beschränkt demnach ihre Energiegewinnung auf den Heimatplaneten. Eine Zivilisation der Kategorie 2 zapft die Energie ihrer Heimatsonne an und eine Zivilisation der Kategorie 3 würde demnach die gesamte Galaxie anzapfen, indem sie z.B. alle Sterne mit sog. Dyson-Sphären umgibt. Eine solche Kardashev – Superzivilisation müsste sich durch ihre gewaltigen Energieemissionen im mittleren Infrarotbereich verraten.

Nach ebensolchen Energieabstrahlungen suchte nun das Team um Jason Wright vom Center for Exoplanets and Habitable Worlds der Pennsylvania State University mit Hilfe des WISE Satelliten. Wrights Studie wurde im April 2015 vom Astrophysical Journal veröffentlich.

Astrophysical Journal

„Die Idee hinter unserer Forschung war, dass die Energie, die von einer fortgeschrittenen, raumfahrenden Zivilisation abgestrahlt wird, die eine gesamte Galaxie besiedelt hat, im mittleren Infrarotbereich detektierbar sein müsste – und der WISE Satellit wurde entwickelt, um genau diese Strahlung für astronomische Zwecke zu detektieren,“ so Wright.

Insgesamt wurden 100000 Galaxien mit Hilfe des WISE Satelliten nach besagter Strahlung „gescannt“. Es wurden jedoch keine auffälligen Strahlungswerte entdeckt.

„Keine der von uns untersuchten Galaxien beherbergt eine Zivilisation, die mehr als 85% des Sternenlichts in MIR (mittlere Infrarotstrahlung) umwandelt. (…) Unsere Ergebnisse zeigen, dass keine der 100000 von WISE untersuchten Galaxien von einer außerirdischen Zivilisation besiedelt wird, die den Großteil des Sternenlichts ihrer Heimatgalaxie für ihre Zwecke verwendet. Das ist interessant, weil diese Galaxien Milliarden Jahre alt sind und genug Zeit war, um von außerirdischen Zivilisationen besiedelt zu werden, falls diese existieren. Entweder existieren sie nicht oder ihre Energieabstrahlung ist zu gering, um von uns nachgewiesen zu werden.“

Dennoch zeigten 50 Galaxien Auffälligkeiten im MIR – Bereich, die eine genauere Untersuchung rechtfertigen.

„Die nachfolgenden Untersuchungen dieser Galaxien zeigen möglicherweise, ob der Ursprung dieser Strahlungswerte in natürlichen, astronomischen Prozesses liegt oder ob es sich um einen Hinweis auf die Anwesenheit einer hochentwickelten Zivilisation handelt.“

Das Problem dieser Forschungsarbeit ist hier jedoch ähnlich gelagert wie bei SETI: man geht vom aktuellen, menschlichen Stand der technischen Entwicklung aus und überträgt diese auf potentielle, außerirdische Zivilisationen. Wir verwenden Radiowellen zur Kommunikation also suchen wir nach Radiowellen im All. Wir bauen Solarpaneele auf unsere Dächer und gehen davon aus, dass Aliens das ebenso machen würden. Dabei ist meiner Meinung nach schon allein die Vorstellung eines Galaxie, in der jeder Stern von einer gigantischen Sphäre aus Sonnenkollektoren umgeben ist, komplett absurd.
Es ist wahrscheinlicher, dass wirklich fortgeschrittene Zivilisationen Technologien entwickelt haben, die für uns noch nicht vorstellbar sind und sich die abgestrahlte Energie bzw. „Abfallenergie“ einer solchen Zivilisation nicht erhöht, sondern vielmehr verringert.

Scientific American zitiert in diesem Zusammenhang den SF – Autor Karl Schroeder: „Jede ausreichend entwickelte Technologie ist von der Natur nicht mehr unterscheidbar.“

„Die Zukunft der Technologie besteht nach dieser Vorstellung nicht aus Zivilisationen, die von Stern zu Stern springen, sich wie eine Feuersbrunst über die Galaxie verteilen und dabei Planeten zerlegen und Sonnen ersticken. Sie besteht vielmehr aus langsam wachsenden Kulturen, die sich immer mehr in ihre natürliche Umgebung integrieren, nach immer höherer Effizienz streben und sich immer mehr dem thermodynamischen Gleichgewicht annähern.“

Auch Freeman Dyson, der heute 91 Jahre alt ist und zu den Forschungsergebnissen von Wright interviewt wurde, ist heute dieser Ansicht:

„Unsere Vorstellungen über die Art und Weise wie man Außerirdische entdecken könnte sind vergleichbar mit Geschichten über schwarze Katzen in einem dunklen Raum. Wenn es tatsächlich Außerirdische gibt, dann verhalten sie sich wahrscheinlich völlig anders als wir es von ihnen erwarten. Die Ergebnisse von WISE zeigen, dass die Außerirdischen keinem bestimmten Weg folgen. Das ist gut zu wissen. Aber es lässt auch eine riesige Anzahl anderer Wege offen. Nur weil sich eine Vermutung als falsch erwies bedeutet das nicht, dass wir aufhören sollten, nach den Aliens zu suchen.“

Scientific American
Open Minds

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.