Sight Unseen: Seen (Teil 2)

Die restlichen zwei Drittel des Buches widmen sich einem ebenso interessanten wie auch unheimlichen Aspekt des Besucherphänomens. Im Gegensatz zu den davor beschriebenen, eher versteckten gehaltenen Operationen gibt es eine Anzahl von Berichten, in denen sich die Alien-Wesen eher gegensätzlich zu verhalten scheinen und eine offensivere „Sichtbarkeit“ an den Tag legen. Es geht dabei um Beschreibungen von Wesen, die zwar über ein menschliches äußeres verfügen, aber ebenso die Eigenschaften der Greys in sich vereinen, was die Fähigkeit zur Telepathie und der mentalen Beeinflussung betrifft. Diese Wesen hegen nicht unbedingt eine große Scheu davor, auch von anderen Menschen wahrgenommen zu werden, da sie unter normalen Umständen auch nicht als „Fremdkörper“ auffallen würden. Budd Hopkins nennt diesen zweiten Teil des Buches deshalb „Seen“.

„Wenn wir akzeptieren können, dass tausende von gut untersuchten UFO-Entführungsfällen zuverlässige Belege dafür liefern, dass nicht-menschliche außerirdische Wesen unseren Planeten besuchen, so müssen wir nun die beunruhigende Möglichkeit ins Auge fassen, dass sie auch auf der Erde leben. Sie mögen vielleicht nur zeitweilige Bewohner sein, aber sie agieren unbemerkt unter Menschen und helfen dabei, ein bislang verdeckt gehaltenes Programm zu unterstützen. Wenn das der Wahrheit entspricht – wenn manche Außerirdische hier überleben oder sich sogar weiterentwickeln können – was könnte ihre Koexistenz am Ende dann für uns, unsere Kinder, unseren Planeten bedeuten? […]

In den vielen Jahren, in denen ich mit UFO-Entführten zusammengearbeitet habe, gab es keinen Mangel an bizarren Berichten über Wesen, die […] zwar menschlich erscheinen, aber über etwas verfügen, das wir als außerirdische Eigenschaften bezeichnen würden. Bildlich ausgedrückt – wenn nicht sogar buchstäblich – sind sie irgendeine Art von Hybriden, die dazu fähig sind, zumindest für einige Zeit eigenständig in unserer Welt zu funktionieren, während sie einigermaßen unabhängig von der außerirdischen UFO-Besatzung bleiben.“

Der Mann, der zu viel wusste

Hopkins beschreibt im Folgenden die Geschichte von Terry, die im Laufe ihres Lebens immer wieder die verschiedensten Entführungserfahrungen durchlebt hat. Dabei schildert sie auch ein sehr eindrucksvolles Beispiel einer Missing-Time-Erfahrung, die später unter Hypnose untersucht wurde:

„Vor ungefähr 14 Jahren fuhr ich mit meinem ersten (nun Ex-) Mann am späten Nachmittag von der Küste von Jersey nach Hause. Das nächste, woran wir uns beide erinnern konnten, war, dass wir in dem abgestellten Auto saßen und es dunkel war, und wir befanden uns an einem Ort, den wir noch nie zuvor gesehen hatten. Da waren 2-3 Stunden, über die wir uns keine Rechenschaft ablegen konnten. Wir sind plötzlich auf einem kargem, einer Art Feld „aufgewacht“ – nicht auf der Straße – mit überhaupt nichts in unserer Sichtweite. Aber keiner von uns hatte eine „letzte Erinnerung“ daran, wie wir dorthin gekommen waren. Es war sehr beängstigend, es gab keine Erklärung. Es dauerte eine Weile, ehe wir unseren Weg von dort hinausfanden, weil es ziemlich abgelegen war, und da wir uns auf keiner Straße befanden, wussten wir nicht, in welche Richtung wir fahren sollten. Selbst als wir auf eine Straße gelangten, war es eine, die wir noch nie zuvor gesehen hatten. Aber weil wir nicht verstehen konnten, was eigentlich passiert war, schoben wir es als etwas Seltsames beiseite und sprachen oder dachten nie mehr darüber.“

Hopkins konzentriert sich jedoch auf ein Erlebnis aus Terrys Jugendzeit. Als sie sich eines Tages mit einigen Freunden in einer Pizzeria befand, näherte sich ein etwa 50 bis 60zig-jähriger Mann mit graumeliertem Haar und in Anzug und Krawatte. Er sprach Terry darauf an, ob sie nicht Lust auf einen Sommerjob und an einem Vorstellungsgespräch in seiner Firma hätte. Seltsamerweise kannte der Mann Terrys Vornamen, worüber sie sich jedoch zu diesem Zeitpunkt keine großartigen Gedanken machte. Terrys nahm das Angebot überrascht an, und der Mann wollte sie am nächsten Morgen mit seinem Auto abholen. Obwohl der Mann ihr völlig unbekannt war, störte sich selbst Terrys Mutter nicht daran, die sonst eigentlich ein sehr fürsorgliches Verhalten an den Tag legte. Sobald Terry am nächsten Tag in das Auto des Fremden stieg, schien eine Art mentale Beeinflussung zu beginnen:

„BH: Erklärt der Mann, was das für ein Job ist?

Terry: Er sagt, es wäre nur Büroarbeit. Ich steige in das Auto. Hmm. [lange Pause, dann, mit Nachdruck]: Ich fühle mich winzig. Worüber reden wir da? Das ergibt keinen Sinn. Ich fühle mich wie in der Größe eines… die Spitze einer Nadel. Mein Körper ist riesig.

BH: Was denkst du ist klein, wie die Spitze einer Nadel?

Terry: Das Innere von mir. […] Er fragt mich: „Bist du glücklich?“ Ich sagte ja. Er sagte: „Du warst nicht immer glücklich.“ Ich sagte gar nichts. Dann sagte er mir… „Erinnerst du dich daran, als dein Vater wegging?“ Ich sagte: „Nein. Woher wissen Sie davon?“ Er sagte: „Nun ja, ich wusste es. Du warst nicht sehr glücklich damals.“ Ich sagte: „Ich kann mich nicht erinnern,“ und dann sagte er mir… „Du hast es gemocht, bei deinen Großeltern zu leben.“ Ich dachte das wäre unmöglich, weil ich nicht glaubte, dass er meine ganze Familie kennen würde. Ich fragte ob er meine Familie kennen würde. Er sagte: „Nein, ich kenne bloß dich.“ Und dann sagt er mir: „Das war eine schreckliche Sache, die dir dein Stiefvater angetan hat.“
Ich regte mich sehr darüber auf. Ich fragte wie er das wissen würde? Er sagte: „Ich weiß es einfach.“ Und dann sagte er mir Dinge über meinen Bruder und meinen Freund. […] Er sagte: „Ich weiß alles über deinen gestrigen Tag.“ Ich fragte: „Woher weißt du das?“ „Ich weiß es einfach.“, sagte er. „Um zwölf Uhr gingst du zu Jimmys Haus.“ Das ist mein Freund. Da war niemand zu Hause. Und wir machten rum. [tatsächlich war das der Zeitpunkt, an dem Terry ihre Jungfräulichkeit verlor.] Er erzählte mir davon. Aber er hätte es nicht wissen können. Es gab nur ein Fenster, aber das war verdeckt. Also fragte ich ihn, woher er das wusste. Er sagte: „Oh, ich weiß es einfach.““

Terry wurde zu einem alten Bürogebäude gebracht, das sich durch eine sehr karge Möbilierung auszeichnete. Tatsächlich befanden sich außer einem Bürotisch und einem Stuhl sonst nichts Besonderes mehr in den Räumen. Obwohl bei jedem anderen Menschen an diesem Punkt wohl so langsam die Alarmglocken schrillen müssten, fühlte sich Terry eher gleichgültig und schien keine besondere Angst an den Tag zu legen. Der Mann erzählte ihr nichts spezifisches über den Beruf, der mit „Trucks und Menschen“ zu tun haben sollte. Die Firma würde in zwei Wochen eröffnen und sie würde an diesem Schreibtisch Anrufe erledigen. Alles was sie dafür tun müsse, wäre das zu tun, was sie gestern mit ihrem Freund gemacht hätte. Anscheinend versuchte er daraufhin eine leichte sexuelle Annäherung, indem er sie von hinten leicht an sich heranzog. Terry konnte seinen Griff jedoch mit Leichtigkeit abstreifen und wollte daraufhin nach Hause gefahren werden, was eigentlich auch wieder einem untypischen Verhalten entspricht, da man nach so einer Situation wohl am ehesten reißaus nehmen würde. Terry „wusste“ jedoch irgendwie, dass der Mann ihr nicht weh tun würde. Ihren Beschreibungen nach schien sie sich unter irgendeiner Art von leichter mentaler Beeinflussung zu befinden. Der Mann schlug auf dem Nachhauseweg einen anderen Weg durch eine abgelegene Gegend ein und sagte, dass er noch kurz bei einem Freund vorbeischauen müsse. Das war der Punkt, an dem Terry Angst bekam. Der Mann hielt an einem seltsamen, metallischem Gebäude, das sich einfach irgendwo im Nirgendwo zu befinden schien, und ließ sie allein im Wagen zurück. Terrys Angst steigerte sich immer weiter, doch anstatt die Flucht zu wagen, sank sie auf dem Beifahrersitz in sich zusammen. Unter Hypnose ergab sich, dass es sich bei dem vermeintlichen Gebäude anscheinend um ein schwebendes Objekt handelte und der Mann in Begleitung einiger grauer Wesen zurückkam, die daraufhin um das Auto traten. Terry schien daraufhin auszusteigen und mit den Grauen mit zu laufen. Da die Hypnosesitzung an diesem Punkt sehr anstrengend war und Hopkins Terry nicht noch weiter strapazieren wollte, brach er das Geschehen an diesem Punkt ab.

 

Stewart

Im Zusammenhang mit dem Entführungsgeschehen wird manchmal über wiederkehrende Begegnungen mit menschlich wirkenden Wesen berichtet, die anscheinend eine Art Mittlerfunktion zu den konventionellen Alien-Wesen innehaben. Betroffene können im Laufe der Zeit so etwas wie eine besondere Beziehung zu ihnen aufgebaut haben, weil sie ihnen schon von früheren Begegnungen her bekannt sind. Diese menschlichen Wesen werden dabei zum einen ganz normal mit den anderen Alien-Wesen gesehen; andererseits können sie bereits vor einer bevorstehenden Entführung am Schauplatz eintreffen oder sich völlig autonom  unter uns bewegen, ohne die Gefahr zu fürchten, als „Fremdkörper“ erkannt zu werden. Meistens kommt es dabei zu längeren Gesprächen mit den Betroffenen, die sich um ganz normale, alltägliche Dinge drehen, aber zum Teil auch etwas wie Erklärungen oder Botschaften beinhalten können. Unter den Betroffenen herrscht dabei das Gefühl vor, dass es sich bei ihnen um Hybriden handelt. Es wurde seitens solcher Wesen aber auch behauptet, dass sie überhaupt nicht mit den anderen Alien-Wesen in Zusammenhang stünden, sondern eine Art eigene Rasse bilden würden. Wohlgemerkt hat dies nichts mit  den blumigen Heilsversprechen irgendwelcher Ashtar-Figuren zu tun.

Am Beispiel von Sally erläutert Hopkins die Menschlichkeit dieser Wesen, die auf der anderen Seite von den gleichen Fähigkeiten profitiert, wie sie bei den anderen Alien-Wesen vorzufinden sind. Sally hatte seit ihrer Kindheit Begegnungen mit einem Wesen, das sie „Stewart“ nennt. Sie beschreibt ihn als großen Mann, der Mitte 30 zu sein scheint, auch wenn er dem äußeren Erscheinungsbild nach nicht sonderlich altert, obwohl sie ihn schon seit ihrer Kindheit kennt. Er hat ein langes, schmales gesicht, lockige blonde Haare und trägt eine ungewöhnlich geformte Brille. Sally sieht ihn als Person, die sowohl die fürsorgende und beschützende Rolle einnehmen, aber auch als unberechenbar und gefährlich auftreten kann.

„Eines Nachts erwachte Sally, erschrocken, Stewart neben ihrem Bett stehen zu sehen. Obwohl sich ihre Wohnung in einem oberen Stockwerk befand, die Fenster geschlossen waren, und die Wohnungstür sicher auf der Innenseite verriegelt war, stand da Stewart an ihrem Bett. Verängstigt fühlte sich Sally dennoch dazu veranlasst, aufzustehen und mit ihm in das Wohzimmer zu gehen. Dort machte sie sowohl Stewart als auch sich selbst ein Getränk, und die beiden saßen zusammen auf der Couch und sprachen laut hörbar zusammen, nicht auf telepathischem Wege, wie es manchmal der Fall war. Stewart war, wie gewöhnlich, an ihrem Alltag interessiert und stellte ihr Fragen nach den alltäglichen Abläufen in ihren Leben und ihrer Arbeit als Sekretärin.“

Während des Gesprächs fand Sally den Mut, auf Konfrontation mit Stewart zu gehen und ihn ein wenig auszuquetschen. Sie fragte ihn, ob er ein menschliches Wesen wäre und ob er überhaupt real wäre, aber Stewart lächelte nur und ignorierte die Fragen. Daraufhin entschied sich Sally zu einer resoluten Maßnahme:

„Entschlossen, etwas über Stewart herauszufinden, bemerkte sie, dass sein Hemd etwas aufgeschlagen war, und so griff sie plötzlich hinein, packte ein langes, lockiges Brusthaar und riss es heraus. Er zuckte zusammen und warf ihr einen wütenden Blick zu, aber sie war erfreut darüber, festzustellen, dass er auf eine physikalische Art real und kein Hirngespinst war.“

Einige Momente später tauchten drei graue Wesen auf und es folgte ein typisches Entführungsereignis. Am nächsten Morgen standen die beiden leeren Getränkegläser tatsächlich immer noch in der Küche. Ich kenne einen ähnlichen Fall, in dem es am nächsten Tag die gleichen „Rückstände“ gab. Darüberhinaus bekam Sallys damalige Mitbewohnerin Hannah etwas von diesem nächtlichen Ereignis mit. Ihre Beschreibung zeigt sehr schön die typischen Erscheinungen der mentalen Beeinflussung, die von den Alien-Wesen (in diesem Fall wohl von Stewart) eingesetzt wird:

„Ich erwachte irgendwann im Laufe der Nacht und da war ein dröhnendes Geräusch in meinem Kopf. Ich hatte große Angst weil ich nicht wusste, was das war, und dann stellte ich fest, dass ich mich nicht bewegen konnte. Irgendetwas ging da vor sich. Ich hörte Stimmen aus dem Wohnzimmer. Sally sprach etwas, und da war die Stimme eines Mannes. Es war mitten in der Nacht, und ich konnte mich nicht bewegen, und ich hatte keine Ahnung, wer dort draußen war, oder was da vor sich ging. Ich denke, dass ich einfach wieder eingeschlafen sein muss, was aber keinen großen Sinn macht, wenn ich so darüber nachdenke. Die ganze Sache war sehr unheimlich, weil sich da wirklich ein fremder Mann in der Wohnung befand und ich mich nicht bewegen konnte.“

Einige Jahre später bekam Sally Besuch von einer Entführten namens Molly, die sie durch Hopkins Selbsthilfegruppe kennengelernt hatte. In der Nacht kam es zu einem Entführungsereignis, das durch eine Lähmung begann und beide Personen miteinschloß. Molly fertigte hinterher eine genaue Zeichnung von einem Mann an, den sie zusammen mit den grauen Wesen auf dem Raumschiff sah. Die Zeichnung glich völlig den Beschreibungen, die Sally von Stewart gemacht hatte.

 

Damoe und die unmarkierten Helikopter

Um einen ganz ähnlichen Besucher scheint es sich in dem Fall von Will gehandelt zu haben, der Budd Hopkins Mitte der achtziger Jahre kontaktierte. Will war ein Farmer aus Wisconsin und hatte im Laufe seines Lebens neben einigen entführungstypischen Erlebnissen auch diverse UFO-Sichtungen, die teilweise von Missing-Time-Episoden begleitet waren. Mit der Zeit tauchte eine Gestalt auf, die Will zunächst überhaupt nicht mit dem Entführungsphänomen in Verbindung brachte. Es handelte sich dabei um einen „Menschen“, der wie aus dem Nichts aufzutauchen schien und große Ähnlichkeit zu Wills eigenem Sohn hatte. Aus Verlegenheit gab Will ihm den Namen „Damoe“, was wohl einer Art Tradition zu folgen scheint – denn etliche Aliens haben in der Zwischenzeit eine Zwangstaufe über sich ergehen lassen müssen :D

„Damoe trat das erste Mal an Will heran, als er auf einem seiner Felder schuftete, und sie hatten ein normales, etwas philosopisches Gespräch geführt. Will hatte keine Ahnung, wo dieser junge Mann leben könnte, aber nahm an, dass er sich auf einer der benachbarten Farmen aufhalten würde. Damoe erschien bei einigen weiteren Gelegenheiten, und jedes Mal, als er sich zu dem alten Mann dazugesellte, schien er „einfach wie aus dem Nichts daher zu spazieren“, wie Will es ausdrückte, ohne irgendein Anzeichen eines Autos oder eines anderen Transportmittels. Will fühlte sich offensichtlich zu ihm hingezogen und war sowohl von seiner ungewöhnlichen Intelligenz als auch der verblüffenden Ähnlichkeit zu seinem eigenen Sohn fasziniert.“

Nach dem ersten Treffen mit Damoe war Wills Armbanduhr wie vom Erdboden verschluckt und tauchte erst dann wieder auf, als Damoe sich ein zweites Mal zu ihm gesellte. Damoe behauptete, dass er die Uhr in einem benachbarten Feld gefunden hätte. Den Sinn dieser Aktion konnte sich Will nicht erklären. Möglicherweise nahm Damoe die Uhr auch als Vorwand, um wieder mit Will zusammentreffen zu können.Nach einiger Zeit tauchte Damoe auch während einiger Entführungsereignisse auf und ließ damit sozusagen seine Maske fallen. Es kann jedoch nur gerätselt werden, ob es sich bei Damoe um eine Art Hybrid und vielleicht sogar um einen „Nachkommen“ von Will selbst handeln könnte.

In den sechziger oder siebziger Jahren schien sich ein ganz besonders drastisches Erlebnis ereignet zu haben, das offensichtlich schwere Narben auf der Psyche von Wills Frau Melissa hinterlassen hatte. Will konnte sich zwar bewusst nicht an das Auftauchen der Alien-Wesen oder eines UFOs erinnern, aber die damaligen Umstände waren so ungewöhnlich, dass Budd Hopkins sich auch in Hinblick auf Wills Frau dazu entschloss, das Ereignis unter Hypnose zu untersuchen. An jenem Tag waren beide mit der Heuernte beschäftigt gewesen, und Melissa nahm sich schließlich ein Päuschen, während Will auf einer benachbarten Fläche weiter arbeitete, die ein kleines Stück von Wills Frau entfernt war. Melissa hatte sich kurzerhand bis auf ihre Unterwäsche ausgezogen und sich auf ein Tuch auf mehreren Heuballen gelegt, weil es ein heißer und anstrengender Tag gewesen war. Vor einer unerwünschten Entdeckung brauchte sie sich dabei nicht zu fürchten, da die Nachbarfarmen nicht in der direkten Umgebung lagen.

Als Will einige Zeit später in Melissas Richtung blickte, fiel ihm ein Helikopter auf, der sich ihnen langsam näherte. Plötzlich tauchten zwei weitere Helikopter auf und gingen über dem Gebiet nieder, wo Wills Frau lag. Will war darüber sehr erbost und glaubte, dass sich einige junge Soldaten von Melissas Anblick angezogen fühlen und sich einen Spaß erlauben würden. An den Helikoptern fehlte jedoch jegliche Markierung, wie es Will von den sonstigen Maschinen gewohnt war. Die Helikopter schienen nun einige Meter über Melissas Position zu kreisen. Will sprang von seinem Traktor und ging zu der Stelle, wo seine Frau lag, konnte sich aber nicht mehr daran erinnern, die ganze Strecke abgelegt zu haben und die Helikopter verschwinden zu sehen:

„Als ich auf meine Frau zuging, war niemand zugegen, niemand war da außer sie selbst, und sie schlief dort, wo ich sie zurückgelassen hatte. Die Helikopter waren verschwunden. Ich weiß nicht, was mit ihnen passiert ist. Als ich auf sie zuging, sagte ich: „Geht es dir gut?“, und sie blickte auf und sagte: „Ja, es ist alles in Ordnung.“ Sie hatte einen seltsamen Blick in ihren Augen. Ich sagte: „Ist alles ok?“ Sie sagte: „Ja.“ Sie sagte: „Wer war hier?“ Und ich sagte: „Ich glaube nicht, dass jemand hier war, weil ich gleich herübergekommen bin, als die Helikopter aufgetaucht sind, und es kann nicht mehr als drei Minuten gedauert haben, um hierher zu kommen.“ Und sie sagte: „Was für Helikopter?“ Sie sagte: „Da waren keine Helikopter.“ Sie erinnerte sich an keine Helikopter. Und ich dachte mir: Das ist seltsam, niemand könnte mit drei schwebenden Helikoptern über seinem Kopf schlafen.“

Will bemerkte einige Tropfen Blut auf Melissas Bauchnadel, die sie sich nicht erklären konnte. Obwohl sich Melissa an nichts mehr erinnern konnte, hatte sie trotzdem das Gefühl, dass jemand bei ihr gewesen wäre. Mit der Zeit begann sie schwere Alpträume zu bekommen und träumte beispielsweise davon, dass ihr jemand etwas in den Bauchnabel steckte, und hatte Angst das Haus zu verlassen, weil „jemand“ sie sonst holen könnte. Schließlich musste sie sich in psychiatrische Behandlung begeben und allerlei archaische Methoden über sich ergehen lassen. Am Ende nahm Will sie zurück in häusliche Pflege.

Während Will sich aufgrund seiner bewussten Erinnerungen zu hundert Prozent sicher gewesen war, dass es sich bei den Helikoptern tatsächlich um Helikopter gehandelt hatte, löste sich der Eindruck unter Hypnose sofort auf. Selbst Will konnte nicht verstehen, wie er so getäuscht werden konnte, und Hopkins spekuliert, ob hinter Berichten über militärische Entführungen nicht doch größtenteils Alien-Erfahrungen stecken könnten. Unter Hypnose erinnerte sich Will daran, zunächst doch noch ein Stück mit dem Traktor gefahren und schließlich von Damoe angehalten worden zu sein:

„Er ruft mich zu sich und er winkt mir zu. Ich möchte nicht anhalten. Ich weiß dass jemand dort bei Melissa ist. Aber er hebt seine Hände hoch und ich halte an. Ich möchte nicht anhalten. Ich steige vom Traktor. Er sagt: „Mach dir keine Sorgen, Will. Es ist alles in Ordnung.“ Und ich sage: „Nein, das ist es nicht.“ Und er sagt: „Es ist alles in Ordnung.“ Er beharrt darauf, dass ich mit ihm spreche, aber ich wende mich ab und beginne zu rennen. Ich bin außer Atem. Und er rennt neben mir her und sagt: „Es ist alles in Ordnung.“

Melissa war inzwischen auf den nahestehenden Heuwagen gehievt und von fünf bis sechs weiteren Alien-Wesen umringt worden. Als Will den Wagen erreichte, stieß er eines der Wesen zur Seite und sprang auf die Ladefläche. In seiner Verzweiflung griff er nach einer Kette im hinteren Teil des Wagens:

„Was machten sie da? Melissa ist vollkommen nackt. Ich griff die Kette und stehe über ihr. Ich schwinge sie über meinem Kopf. Ich kann es hören. Ich fluche sie an; ich schreie; ich bin voller Wut. Was haben sie getan?
Sie tun ihr weh. Sie antwortet mir nicht. Ich rufe nach ihr und sie spricht nicht mit mir. Ich kenne diese Leute. Ich habe sie schon früher gesehen. Damoe ist zurückgewichen. Ich dachte er wäre mein Freund. Ich weine.
[…]
Damoe spricht. Er bewegt seine Lippen! Er sagt: „Will, leg deine Waffe weg. Du könntest dich oder deine Gefährtin verletzen.“
Ich verfluche ihn. Ich fluche. Ich sage: „Komm mir zu nahe, du Bastard, und ich zeige dir, wen ich verletzen werde.“
Da ist ein Geräusch von unterhalb des Wagens. ich habe dieses Geräusch schon früher gehört. Es ist ein monotones Geräusch. Damoe sagt noch etwas. Er sagt: „Wir wollten nicht, dass du das tust. Wir wollten nur, dass du Zeuge von dem wirst, was hier geschehen ist. Wir wollten nicht, dass du wütend bist.“ Und dann spricht eine andere Stimme, aber ich kann niemanden sprechen sehen. Und sie sagen: „Leg deine Waffe nieder und komm von dem Wagen runter.“ Und ich muss es tun. Ich hörte auf, die Kette zu schwingen, und komme vom Wagen herunter.“

Was folgt ist eine „klassische“ Entführungsuntersuchung an Wills Frau. An einer Stelle wird Melissa eine Nadel in den Bauchnabel eingeführt. Anscheinend ist Melissas späteres Trauma auf diese Situation zurückzuführen. Am Ende der „Entführung“ legen die Wesen außerdem ein ziemlich perfides Geschick an den Tag, um die Erinnerung an das Ereignis zu verschleiern. Sie kleiden Melissa wieder an und legen sie auf die Heuballen zurück. Will hingegen wird zu seinem Traktor zurückgeführt und dazu gebracht, sich wieder aufzusetzen und den Motor zu starten. Als die Alien-Wesen davonfliegen, setzt auch Wills bewusste Erinnerung wieder ein.

Budd Hopkins spekuliert hinterher, ob es Damoe an einem vollständigen Verständnis für unsere menschlichen Gefühle fehlt, weil er Will quasi als Beobachter dabei haben und ihm alles zeigen wollte. Außerdem erschien ihm das Wort ungewöhnlich, mit dem Damoe Wills Frau bezeichnet hat – „mate“, was ein wenig den Alien-Nachgeschmack in sich trägt (und ich hier mal etwas charmanter als „Gefährtin“ übersetzt habe).

 

Die falsche Selbsthilfegruppe

Als Abschluss gibt es zur Auflockerung noch eine kleine, aber sehr amüsante Episode. Möglicherweise könnte man sie als „Alien-Fail“ bezeichnen, oder es in unserer Erdensprache politisch korrekter als „Fehlenden Integrationswillen von Wesen mit Migrationshintergrund“ ausdrücken :-p
Zumindest wäre David Jacobs hellauf davon begeistert gewesen, da er gerne die These von Hybridwesen vertritt, die sich schrittweise unserer irdischen Welt anzupassen  und dabei möglichst als menschlich durchzugehen versuchen:
https://www.abduction.de/blog/?cat=53
Dass man dabei in allerlei Fettnäpfchen treten kann, ist eigentlich schon vorprogrammiert. Jedenfalls muss man als Abductee zugeben, dass das Verhalten der folgenden „Gestalten“ schon als recht alienhaft einzustufen ist :D

Dennis und Don, zwei befreundete Abductees, berichteten Budd Hopkins eines Tages über ein seltsames Treffen mit einigen merkwürdigen Vögeln, an dem auch ihre Frauen teilgenommen hatten. Budd beschloss hinterher, alle Beteiligten getrennt voneinander zu interviewen. Dennis und Don betätigten sich in ihrer Freizeit in der UFO-Forschung und hatten ein kurzes Video über ihre Untersuchungen an einem lokalen Entführungsfall gedreht, das sie eines Tages vor rund zwanzig Personen aufführten. Don bot außerdem einige Kopien des Videos zum Verkauf an. Da die UFO-Szene ja der Erfahrung nach eine kleine Welt ist, waren ihnen die meisten Anwesenden bekannt; es gab aber auch ein paar wenige interessierte Teilnehmer. Die Veranstaltung verlief ohne besondere Zwischenfälle, bis Don eine Woche später den Anruf eines Mannes erhielt, der sich als Besucher der Veranstaltung ausgab. Er fragte, ob Don gerne am Treffen einer Entführten-Selbsthilfegruppe teilnehmen würde, deren Leiter er in einer der Nachbarstädte wäre. Don war zwar nicht überrascht darüber, weil er sich als Entführter „geoutet“ hatte, aber eine derartige Selbsthilfegruppe in seiner Nähe hätte ihm eigentlich bekannt sein müssen. Als es um eine Terminabsprache ging, bemerkte der Anrufer dann auch noch, dass er sicher gehen müsse, dass sein „Ehemann“ mit anwesend wäre. Don war darüber verwundert, weil der Anrufer eigentich männlich klang, und so ging er davon aus, dass er wohl schwul sein müsse. Da so ein offenherziges Outing und die Existenz von Selbsthilfegruppen zu der damaligen Zeit alles andere als selbstverständlich waren, wurden alle von Neugier gepackt, und so machte sich Don schließlich zusammen mit Dennis und beiden Frauen auf dem Weg. Am Zielort befanden sich einige Neubau-Apartmentblocks, die noch nicht vollständig bewohnt waren. Im zweiten Stock eines dieser Gebäude klopften sie an eine Tür, und damit nahm das Abenteuer seinen Anfang:

„Die Tür wurde von jemanden geöffnet, den sie später als einen sehr seltsamen, „ausdruckslos“ aussehenden, recht kleinen Mann beschrieben, der ebenso erschrocken zu sein schien wie sie selbst.
„Wer ist er?“ fragte der Mann Dan sofort, auf Dennis deutend.
„Warum, er ist mein Partner auf dem Videofilm. Erinnern Sie sich nicht daran? Sie sagten, sie wären auf dem Treffen gewesen, als wir es vorführten. Wir haben beide darüber gesprochen.“
„Oh ja“, antwortete der Mann nicht überzeugend.“

Tatsächlich konnten Dennis und Don sich überhaupt nicht daran erinnern, ihn während der Veranstaltung erspäht zu haben. Der Mann schien außerdem recht unerfreut über die Anwesenheit der beiden Ehefrauen zu sein, rückte aber schließlich widerstrebend zur Seite, um die kleine Gruppe einzulassen.

„Während sie sich Sekunde um Sekunde unbehaglicher fühlten, betraten die vier Besucher das neue, spärlich möblierte Apartment, das ohne jedes Bild auf der Wand, Bücher, Zeitschriften oder anderen zerstreuenden Annehmlichkeiten ausgestattet war. Sie wurden in das Wohnzimmer geführt, in dem vier oder fünf ebenso ausdruckslos aussehende Leute steif auf Stühlen und einem Sofa saßen und die Neuankömmlinge anstarrten. Diese sogenannten Mitglieder der Selbsthilfegruppe schienen über keine sozialen Fähigkeiten gleich welcher Art zu verfügen – keine Körpersprache, kein Ausdruck von Interesse oder Neugier oder selbst Wut in ihren Gesichtern – und es war dieses völlige Fehlen von Emotionen, das Dennis und seine Gruppe später als „spooky“ und „zombiehaft“ beschrieben. Allerdings bemerkten sowohl Dennis als auch Don, dass ein Mitglied dieser Gruppe aus einer äußerst schönen, aber ziemlich ernst blickenden Frau bestand.“

Kein Mitglied dieser seltsamen Gruppe sprach je ein Wort, und der Gastgeber sah es auch nicht als nötig an, die Leute untereinander vorzustellen.

„Dennis, Don und ihre Frauen nahmen ihre Plätze ein, und der Gastgeber begann Don plötzlich dafür zu beschimpfen, dass er ein Video über eine lokale UFO-Entführungs-Untersuchung gedreht hatte. „Es war falsch,“ sagte er, „Geld damit zu machen.“, und Don sollte es nicht wieder tun. Es wäre sehr schlimm, solche Dinge zu machen und die Videos zu verkaufen zu versuchen, sagte er, ohne irgendeinen Grund dafür anzugeben, warum er so eine starke Meinung darüber vertrat. Die anderen Teilnehmer saßen schweigend und vor sich hinstierend da, während ihr Leiter damit fortfuhr, Don zu schelten.“

Dennis platzte schließlich der Kragen, und er versuchte Klarheit über die seltsame Gruppe zu gewinnen:

„Stehen Sie in irgendeiner Form mit Budd Hopkins in Verbindung?“ […]
„Wer ist Budd Hopkins?“ fragte der Leiter.
Überrascht, aber unerschrocken, startete Dennis eine weitere Anfrage:
„Stehen Sie mit David Jacobs in Vebindung?“ […]
„Wer ist David Jacobs?“ antwortete der Mann.
Zu diesem Zeitpunkt waren Don, Dennis und ihre Frauen begierig darauf, die, wie sie es mittlerweile in den späteren Worten von Dons Frau betrachtet hatten, „unheimlichste Gruppe von Menschen die ich je in meinem Leben gesehen habe“, zu verlassen. Als Dennis sich dachte, dass das, was immer das auch war, sicherlich keine Entführtenselbsthilfegruppe sein könnte, ereignete sich ein Zwischenfall, der die vier auf ihre Füße beförderte und ihnen zu einem etwas hastigen, unfeinen Abgang aus dem Apartment verhalf. Sowohl Don als auch Dennis erzählten mir später, dass einer der stummen, starrenden Teilnehmer dieser Gruppe, die Mannequin-artige Frau, die sie beide als beinahe unnatürlich schön betrachteten, plötzlich aufstand. Als sie das tat, sagten beide Männer, dass sie sich in eine unglaublich hässlich, nicht menschlich aussehende Kreatur mit großen Augen und spärlichen Haaren zu verwandeln schien. Es war diese plötzliche Verwandlung, die ihren schnellen Abgang aus dem Apartment auslöste. Sie stürzten die Treppen hinunter und quetschen sich in das Auto und fühlten sich solange nicht sicher, bis sie auf den Highway und in die Nähe ihres Zuhauses gelangten.“

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