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Entführungen und die Öffentlichkeit – The Experience von Ralph Blumenthal

16. Dezember 2017: Ein New York Times – Artikel verändert die Welt. Helene Cooper, Leslie Kean und Ralph Blumenthal legen eine geheime UFO-Untersuchungseinheit des amerikanischen Verteidigungsministeriums offen (siehe AATIP). Eine Zusammenstellung der ICER (International Coalition for Extraterrestrial Research) zeigt die wichtigsten Schlüsselereignisse, die auf den Times-Artikel folgten, bis hin zum jüngsten Beschluss des US-Kongresses, die Bildung einer UFO-Untersuchungsbehörde in den Verteidigungshaushalt 2022 aufzunehmen:

ICER - UAP disclosure key events

Die Veröffentlichung des amerikanischen UFO-Untersuchungsberichts im Juni 2021 ließ die sonst so spöttischen Untertöne in in der Medien-Berichterstattung verstummen: Hinter einem Teil der UFOs (oder UAPs, wie sie neuerdings genannt werden) stehen tatsächliche physische Objekte, die so fortschrittliche technologische Fähigkeiten zur Schau stellen, dass eine Eigen- oder Fremdtechnologie als reichlich unwahrscheinlich anzusehen ist. Doch in den Diskussionen um den Ursprung der Objekte bleiben die Stimmen von Abductees und Experiencern bislang auffällig ungehört. Sie haben nach wie vor mit dem gleichen alten Stigma zu kämpfen.

Ralph Blumenthal schrieb einen neuen Artikel über das Entführungsphänomen und seine mögliche Verbindung zu UFOs / UAPs: „The Experience: The Cultural Rise of Alien Abductions and Those Who Encounter Them“. Darin kommen vier Experiencer zu Wort – zwei davon treten überhaupt zum ersten Mal mit ihrer Geschichte nach außen. Doch diesmal wollten die New York Times und ähnliche andere Formate den Artikel nicht bringen. Eine kurze Vorstellung des Artikels und der beteiligten Experiencer führt uns zu der alten Frage, wie man die Öffentlichkeit an das Entführungsphänomen heranführen kann.

Teil 1 – Der Artikel

1991. John Mack und Budd Hopkins stehen in einem vollgestopften Hörsaal in den Räumen von Harvards Cambridge Hospital. Euphorisch breiten sie vor Akademikern, Studenten und Interessierten alles aus, was das Material so hergibt: Die Schilderungen des klassischen Entführungsszenarios und der Untersuchungen an Bord, das Interesse der Aliens an Sexualität und an fortpflanzungsbezogenen Prozeduren, die Vermittlung von ökologischen Botschaften und düsteren Warnungen vor möglichen zukünftigen Katastropen. Bilder von UFOs und Schaufelnarben, eine vor Angst schreiende Entführte auf der Tonbandaufnahme einer Hypnosesitzung und eine andere Entführte, die dem Publikum von ihren eigenen Erlebnissen berichtet. Als Mack im Jahr 2000 auf diese Zeit zurückblickt, ist er der Meinung, dass diese Vorgehensweise ihn um fünf Jahre zurückgeworfen hat, da Menschen nur ein gewisses Maß an neuen Wahrheiten aufnehmen können: „Wir haben sie überflutet – wir haben sie überwältigt, das war – Wir haben gelernt. Ich dachte mir, wie könnten sie nicht aufgeregt und interessiert sein, weil es so überwältigend wahr war, nicht wahr? Die Wahrheit spielt keine Rolle. Es kommt darauf an, was ich ertragen kann.“ (Blumenthal: The Believer. S.293 f. Bei Macks damaligen „Grand Rounds“ handelte es sich um informelle Vortragsrunden mit dem übergeordneten Titel: „The Mystery of Anomalous Experience“)

2021. Im Licht der jüngsten Entwicklungen scheint es eine günstige Zeit zu sein, das Entführungsphänomen neu aufzurollen. Doch Ralph Blumenthal steht immer noch vor der gleichen Aufgabe wie seinerzeit John Mack: Er muss versuchen, ein Gleichgewicht zwischen Bodenständigkeit und „too much“ zu wahren. Daher bezieht er sich in seinem Artikel auf militärische Sichtungszeugen und die neu geschaffene UFO-Taskforce des Pentagons:

„Der Artikel, den ich für The Debrief geschrieben habe, war also ein Versuch, der Tatsache beizukommen, dass das Pentagon jetzt zwar zum ersten Mal offiziell und eindeutig sagt, dass UFOs oder UAPs physisch existieren, dass sie real sind, aber sie sagen nichts darüber, woher sie kommen, wer hinter dem Steuer sitzt, warum sie hier sind, was sie wollen, all diese anderen Fragen, die sich unweigerlich stellen, sobald man sagt, nun ja, diese Dinge sind real. Aber die Regierung weicht dem aus.“ (dieses und die folgenden Zitate: Dreamland-Sendung vom 11. November 2021.)

Daneben verweist Blumenthal auf prominente Zeugen, hinter deren Erlebnissen sich teilweise etwas mehr verbergen könnte, als es zunächst den Anschein hat. Gleich zu Beginn stellt er das Erlebnis von Nobelpreisträger von Kary Mullis vor. Im Jahr 1985 stieß Mullis nach seiner nächtlichen Ankunft in Mendocino County, Kalifornien, nahe seines Häuschens auf einen „leuchtenden Waschbären“. Das Wesen sprach ihn an und sagte: „Guten Abend, Doktor.“ Mullis nächste Erinnerungen setzten erst Stunden später ein. Er kam an einer ganz anderen Stelle zu sich, ohne jegliche Erklärung, wie er dorthin gekommen und was in der verlorenen Zeitspanne geschehen war. Kurz darauf erfuhr er, dass seine Tochter selbst schon ein ähnliches Missing Time – Erlebnis gehabt hatte.

„Und ich denke, der Wert dieser Geschichte liegt darin, dass wir, wenn das bei Nobelpreisträgern passiert, nicht sagen können, dass diese Leute geistig beeinträchtigt sind oder dass das nur bei Verrückten passiert oder was auch immer.“

Für die jungen Leute führt Blumenthal die Sängerin Demi Lovato an, die im Mittelpunkt der vierteiligen Doku-Reihe “Unidentified with Demi Lovato“ steht. Lovato hatte in der Vergangenheit u.a. von einem Sichtungserlebnis im Joshua-Tree-Nationalpark berichtet, bei dem eine blaue Kugel nur etwa 15 Meter von ihr entfernt über dem Boden geschwebt sei. Bei anderen Künstlern drängt sich die Frage auf, ob sie in irgendeiner Weise von ihren Erfahrungen inspiriert worden sein könnten, wie es der Rapper Kendrick Lamar 2017 in der Howard Stern Show angedeutet hat. Unglücklicherweise erweist es sich als äußerst schwierig, den Berühmtheiten im Nachhinein noch einen Kommentar zu entlocken:

„Sie sagen in einer bestimmten Sendung, was sie sagen wollen, und danach wollen sie nicht mehr darüber reden, wenn ich sie darauf anspreche, um ihre Bemerkungen zu erläutern oder zu erklären. Es war also sehr frustrierend für mich, dass ich sie nicht dazu bringen konnte, darüber zu sprechen. Aber der Zweck, sie in den Artikel aufzunehmen, war zu zeigen, dass nicht nur gewöhnliche Menschen diese Erfahrungen gemacht haben, so genannte „einfache Leute“, also Nicht-Prominente, sondern auch Prominente. Der Zweck der Aufnahme war also, den Menschen, den einfachen Leuten, den Nicht-Prominenten, das Vertrauen zu geben, dass es in Ordnung ist, über diese Erfahrungen zu sprechen, sie anzuerkennen, in der Hoffnung, in gewisser Weise die Scham zu verringern, auch wenn es keine wirkliche Scham gibt, denn man muss sich nicht schämen.“

Doch das ist leichter gesagt als getan. Blumenthal nennt zurecht den „Lächerlichkeitsfaktor“, der dieses Gebiet seit vielen Jahren umgibt und es in das Gebiet der Unwissenschaftlichkeit zu rücken versucht. Auch hier deutet sich seit der Einrichtung der UAP-Taskforce ein Stimmungswechsel an. Als Grundlage für die zukünftige Erforschung soll u.a. eine Verringerung des Stigmas rund um UFOs / UAPs erfolgen, um potentiellen Sichtungszeugen die Angst vor möglichen Folgen (wie z.B. Karriereeinschränkungen) zu nehmen. Die in den letzten Jahren zunehmend erfolgreichere Aufzeichnung ihrer physischen Realität lässt sich leider nicht so einfach auf das Entführungsphänomen übertragen.

Dabei bleiben Entführungen nicht unbedingt immer spurenlos und auch skeptische Erklärungsversuche können das Phänomen nicht in seiner Gesamtheit abdecken. Als Beispiel verwendet Blumenthal den allseits bekannten Barney und Betty Hill-Fall. Der fehlenden Zeitspanne waren konkrete Erinnerungen an das Objekt vorausgegangen, das Barney zudem aus großer Nähe sah. Am Wagen und an der Kleidung der Hills waren verschiedene Spuren aufgetreten, die teilweise eine zeitlang erhalten geblieben sind, wie es z.B. noch heute mit Betty Hills Kleid der Fall ist.

Mit Budd Hopkins, David Jacobs und John Mack, den späteren Pionieren der Entführungsforschung, zeigt Blumenthal das typische Grundgerüst von Entführungsfällen auf, das verschiedene andere fragmentarische Spuren aufwirft: Bewusste Erinnerungen ohne die Zuhilfenahme von Hypnose wie z.B. das Sehen der Objekte und der Wesen, übereinstimmende Beschreibungen, die sich auf wenig bekannte Beobachtungen beziehen, Verletzungen oder Narben auf den Körpern der Entführten, die physische Abwesenheit des Entführten, unbeteiligte Zeugen, die während der gleichen Zeitspanne ein UFO gesichtet haben, Spuren, die sich am Ort einer möglichen Landung zeigen, etc. Das Problem ist, dass es sich dabei größtenteils um Hinweise handelt, die nur eine subjektiv erlebte Erfahrung unterstützen, was Budd Hopkins auch gerne mit den Indizienbeweisen in einem Gerichtsprozess verglich.

John Mack warf verstärkt die Frage auf, in welcher Art von Realität die Begegnungen eigentlich stattfinden. Die von den Wesen zur Schau gestellten Fähigkeiten deuteten für ihn auf eine höhere oder sogar geistige Realität hin. Mack war daher der Ansicht, dass es nun an der Wissenschaft liege, von ihrer westlich-materialistischen Fokussierung abzurücken und ihre eigene Weltsicht zu erweitern. Blumenthal stellt die sich nun immer weiter verdichtende, physische Realität von UFOs/UAPs als eine Art Brücke zu Entführungen und Kontakterlebnissen in den Raum, die bislang noch nicht empirisch nachgewiesen werden können. Doch da wir es dabei zwangsläufig mit einer lebenden, uns weit voraus befindlichen Intelligenz zu tun haben müssten, lässt sich das Dilemma im Augenblick ganz treffend mit einem Kommentar von Whitley Strieber zusammenfassen:

„Und das ist meines Erachtens auch der Kern des Problems, das die Wissenschaft und die Regierung mit dieser Thematik haben. Die Wissenschaft kann es nicht messen. Die Regierung kann es nicht kontrollieren. Und es bleibt im Grunde in den Schlafzimmern der Menschen.“

Teil 2: Die Experiencer-Gesprächsrunde

Der Ball wird zurück zu den Experiencern gespielt, die selbst schon genug damit zu tun haben, den Schock eines zerstörten Weltbilds in irgendeine Form von Gleichgewicht zu bringen. Die am Artikel beteiligten Experiencer fanden sich am 1. Oktober 2021 zu einer Nachbesprechung zusammen.

Wir stellen die Experiencer an dieser Stelle kurz vor und gehen in späteren Beiträgen evtl. etwas ausführlicher auf ihre Geschichten ein:

Jay King

Jays erstes bewusstes Aufeinandertreffen mit greyähnlichen Wesen ereignete sich im Alter von etwa 8 oder 9 Jahren. Eines der Wesen sah er nur Tage später wieder. Als er die Treppe im Haus hochging, erspähte er es durch die Spalten der Stufen hindurch, wo es die abgestellte Wäsche an der Waschmaschine durchzuwühlen schien. Die nächsten Monate rannte er einfach nur noch die Treppen auf und ab, ohne noch einmal einen Blick nach unten zu wagen. In späteren Begegnungen spielten Gottesanbeter-Wesen eine große Rolle. Er beschreibt ihre Art der telepathischen Kommunikation als eleganter und vielschichtiger, während es bei den Greys für ihn eher so wirkt, als ob sie gerade ein Telegramm übermitteln würden.

Jay ist es nicht unbedingt wichtig, ob man ihm glaubt oder nicht, aber man sollte als Mensch offen sein und sich solche Geschichten anhören, anstatt sie pauschal wegzuerkären.

„Es gibt eine Menge solcher Dinge, über die nicht gesprochen wird, weil das Gespräch von Leuten geführt wird, die diese Erfahrung nicht machen.“ (dieses und die folgenden Zitate: TEG Roundtable #3 vom 1. Oktober 2021.)

Robin Lassiter

Im Alter von etwa vier traf Robin auf ein Wesen, das sie wegen seines insektoiden Aussehens den „Antman“ (Ameisenmann) nannte. Neben außerkörperlichen Erfahrungen hatte sie in ihrer Kindheit sehr lebendige Träume, in denen sie die Zerstörung und Erneuerung der Erde sah. Robin hatte den Eindruck, als würde sie nicht hierher gehören und flüchtete vor dem nagenden inneren Gefühl, eine Art von Aufgabe zu haben.  All diese Ereignisse warfen sie in ihrem frühen Erwachsenenalter aus der Bahn, bis die außerkörperlichen Erfahrungen wieder einsetzten und sie vier Wesen begegnete, die sich als ihre Begleiter vorstellten. In späteren Erlebnissen wurde deutlich, dass der Antman einer dieser Begleiter war. Ihr wurde mitgeteilt, dass sie sich dazu bereit erklärt hatte, hier auf der Erde zu inkarnieren um dabei mitzuhelfen, die Menschheit auf ihrer geistigen Evolution voranzubringen.

Robin musste erstmal ihre Stimme finden, wobei es ihr geholfen hatte, andere Menschen über ihre Erlebnisse sprechen zu hören:

„Ich war überhaupt nicht in der Lage, darüber zu sprechen. Was mir letztendlich sehr geholfen hat, war, dass ich es aufgeschrieben habe. Ich habe im Grunde darüber geschrieben und war dann in der Lage, den ersten Entwurf meiner Familie zu geben und zu sagen: So ist mein Leben verlaufen. Und als sie das lasen, kannten sie mich auf eine Weise, wie sie mich vorher nicht kannten.“

Das Gefühl einer wichtigen Aufgabe oder Mission brachte Robin am Ende dazu, sich mit anderen Experiencern zusammen zu schließen:

„Keiner der Experiencer, die ich kenne, sagt: Ich habe es herausgefunden. Ich habe die Antwort. Ich weiß, was das ist. Meine Erfahrung mit Experiencern ist, dass sie alle sagen: Ich kann es nicht erklären, aber wohin es mich führt, hat damit zu tun, dass ich in der Lage bin, genug Raum zu haben, um die Realität aufzunehmen, dass es viel größer ist, als wir uns vorstellen können, dass es lebenswichtig ist, und dass es mit Liebe zu tun hat, mit Verbindung, damit, wer wir als Menschen sind und wohin wir gehen.“

Nadine Lalich

Nadines Erlebnisse habe ich bereits auf dem Blog vorgestellt.

Für Nadine ist die Zeit günstiger, um offen über diese Thematik zu sprechen – anders als es noch vor einem oder vor zwei Jahrzehnten der Fall war. Trotzdem plädiert sie zur Vorsicht, weil es die Weltsicht der Mitmenschen zu sehr überfordert:

„Ich gehe jetzt vorsichtig vor, wenn ich Interviews gebe, wenn ich etwas mitteile, und lerne, wie und wann und wie viel ich in der Öffentlichkeit preisgeben kann. Denn obwohl wir einige wilde Geschichten haben, muss ich mich selbst oder andere Menschen behutsam dem aussetzen, was ich jetzt als Realität betrachte, wie auch immer sich das manifestieren mag. Ein Schritt nach dem anderen. Ein Schritt nach dem anderen. Im Allgemeinen finde ich, dass, obwohl die Öffentlichkeit dies mehr und mehr akzeptiert und immer mehr an die Oberfläche kommt, wenn wir vorsichtig darüber sprechen und die Menschen langsam an unsere Erfahrungen heranführen, wir weniger Traumata erleben und uns weniger Türen vor der Nase zugeschlagen werden.“

Besonders schmerzvoll kann dieses Outing innerhalb der Familie sein:

„Sie können manchmal am ablehnendsten sein. Denn wenn sie dich kennen und wissen, wer du bist, und sie wissen, dass du ein geerdeter Mensch bist, und jetzt sprichst du darüber, machst du ihnen Angst. Wenn sie nicht bereit sind, es zu akzeptieren. Dann kann einem die Tür vor der Nase zugeschlagen werden, und man fühlt sich wieder isoliert, abgelehnt und ausgegrenzt.“

Karin Austin

Karin war eine langjährige Vertraute von John Mack. Als sie etwa drei Jahre alt war, wurde sie von mehreren Wesen in ihrem Zimmer geweckt. Bei einem anderen Kindheitserlebnis spielte sie gerade draußen, als sie im nächsten Moment ins Haus rannte. Ihre Kaugummimaschine, die sie kurz zuvor geschenkt bekommen hatte, blieb danach verschwunden. Dieses Missing Time Erlebnis beschäftige sie später so sehr, dass es in einer Rückführungssitzung mit John Mack untersucht wurde. Darin erinnerte sie sich an ein Objekt, in das sie von zwei Greys geführt worden war. Im Inneren traf sie auf einen kleinen Jungen, der ebenfalls von zwei Greys flankiert wurde und mit einem schottischen Akzent sprach. Sie wurde von den Wesen gefragt, ob sie ihre Kaugummimaschine mit dem Jungen teilen wollte. Als Laurel Chiten den Dokumentarfilm „Touched“ veröffentlichte, in dem Karins Erlebnisse behandelt wurden, meldete sich ein Mann, der sich an die Begegnung mit Karin erinnern konnte. Er war in Schottland aufgewachsen und eines Tages beim Spielen im Wald auf zwei Wesen getroffen, die ihn seinerseits in ein Objekt führten, das er völlig identisch beschreiben konnte. Nach der Begegnung war die Kaugummimaschine bei ihm geblieben.

Karin spricht über die anfängliche „Naivität“, wie John Mack es später selbst bezeichnete, mit der sie den Gang in die diversen Talkshows bestritten:

„Wir wussten nicht, worauf wir stoßen würden. Wir wussten nur, dass wir die Wahrheit hatten, die für die Evolution der Menschheit […] absolut relevant war. Das ist das Wichtigste, worüber wir reden müssen, wir sind hier auf einer Welle von etwas. Und vor zwanzig Jahren hatten wir noch keine Vorstellung davon, wie all diese Informationen auf das vorherrschende newtonisch-kartesische Weltbild prallen würden.“

Es ist nunmal nicht möglich, einem Zuschauer mal eben so mit den Ergebnissen eines jahrelang währenden Prozesses zu konfrontieren, der für einen Betroffenen bedeutet, die Realität dieser Erfahrungen anzuerkennen, zu verarbeiten und in ein neues, erweitertes Weltbild zu integrieren. Erst recht nicht, wenn das ganze in einem möglichst unterhaltsamen fünfminütigen Beitrag erfolgen soll. Dafür ist ein ruhiger und ernsthafter Rahmen von Nöten. Und selbst dann gelangt man schnell an die Grenzen – mit Informationen, die sich so stark außerhalb eines kollektiven Weltbilds befinden, dass sie nicht so einfach von ihm aufgenommen werden können, wie es John Macks Eingangszitat beschreibt.

„Wenn man darüber spricht, können wir sicherlich die Akzeptanz vieler Leute im Publikum gewinnen, die sagen werden: Schön für Sie. Das ist faszinierend, oder ich könnte Ihnen zustimmen. Aber der größte Prozentsatz unserer Kultur, wenn sie damit konfrontiert werden, dies wirklich zu verarbeiten und darüber nachzudenken, ob es tatsächlich so passiert, wie wir es beschreiben, dann ist das für die Leute überwältigend, und sie schalten ab und kommen sofort mit all den Gegenerklärungen, was das für uns sein könnte. Ob es sich nun um eine nicht identifizierte Psychopathologie handelt oder um Schlaflähmung oder Träume oder Fantasien, um aufmerksamkeitsheischende Ruhmsucher. Ihr wisst schon, das ganze Zeug.“

Dabei wird das kollektive Weltbild wohl oder übel selbst mit dem gleichen Schock- und Transformationsprozess konfrontiert sein, wenn sich die Realität des Entführungsphänomens verfestigen sollte. Für mich als Abductee bedeutete die Veröffentlichung des amerikanischen UFO-Untersuchungsberichts im Juni 2021 eine handfeste Durchdringung dieser Realität. Während verschiedene US-Behörden an einem Narrativ arbeiten, dass die UFOs/UAPs als Bedrohung für die nationale Sicherheit ansieht, klopft es längst energisch unsere Tür:

„Es ist nicht in Ordnung, dass wir nicht an den Tisch eingeladen werden. Und es ist nicht in Ordnung, dass man uns immer wieder sagt, das ist nicht der richtige Zeitpunkt, oder ihr seid zu komisch, wir wissen nicht, ob ihr lügt oder nicht, oder ob da etwas anderes vor sich geht. Also wirst du da drüben sitzen und wir werden abstrakt über dich reden oder abstrakt über UAPs reden, als ob sie alle Drohnen wären und es keine wirklichen Piloten gäbe. Wenn unsere Gemeinschaft nicht die Verantwortung dafür übernimmt, unsere Stimme in den Mix einzubringen, werden wir keine Chance haben, dieses Narrativ zu gestalten.“

Wie Stuart Davis, Leiter der Experiencer Group, es ausdrückt:

„Sie wollen eine ihrer Erklärungen. Sie wollen die Schlaflähmung. Sie wollen eine Art kollektiver neuer Psychopathologie, sie wollen diese neuro-pathisch-biologisch-kulturelle Schnittmenge von Erklärungen, die all das auslöscht, was das Kollektiv für nicht handhabbar hält. […] Es ist diese Bedingtheit, von der alles abhängt, solange wir die Wahrheit nicht modifizieren und verzerren und verstümmeln, wird sie für die Öffentlichkeit, für das größere öffentliche Leben, unzulässig sein.“

Aber wenn das Universum die Hände nach uns ausstreckt, um uns zu einem zukünftigen Selbst zu führen, dann werden wir unsere Zukunft verspielen, wenn wir uns in einem Weltbild verschließen, das die anderen Dimensionen um sich herum nicht erkennen kann.

Quellen:

Übersetzungen von mir.

 

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