Advanced Aerospace Threat Identification Program

Gab es Ufo-Forschungen der amerikanischen Regierung, die aus den berühmt-berüchtigten Black Budgets für geheim eingestufte Projekte gespeist wurden? Tatsächlich kam ein solches Programm am 16. Dezember 2017 unter anderem durch einen Bericht der New York Times ans Tageslicht – das sogenannte Advanced Aerospace Threat Identification Program. Es wurde nichts geleugnet und nicht darüber geschwiegen – im Januar 2019 äußerte sich jüngst wieder der Senator und Initiator Harry Reid in einem Interview mit der Nevada KNFR radio station dazu. Während dem amerikanischen Militär oft unterstellt wird bereits alles mögliche über Aliens, UFOs und ihre Technologien zu wissen und der Öffentlichkeit vorzuenthalten, ergibt sich eher ein ernüchternder und tragisch-komischer Blick hinter die Kulissen. Es handelt von einer Idee mit guten Absichten, die zwischen unterschiedlichen Interessen zerrieben wurde und immer noch auf eine Unsicherheit und Scheu hindeutet, wie man eigentlich mit Berichten über UFO-Sichtungen verfahren soll.

Die Grundidee

Im Jahr 2007 fand Senator Harry Reid im Kongress zwei Mitstreiter für seine Idee und rannte bei ihnen offene Türen ein. Der frühere Astronaut und spätere Senator John Glenn, ein Freund und Kollege, hatte ihn unter anderem darin beeinflusst, dass sich die Regierung mehr mit dem Ufo-Phänomen beschäftigen müsste. John Reid sagte dazu: „Was wir in der Vergangenheit darüber gelernt haben, ist dass Piloten nicht dazu neigen, es zu melden. […] Oft sagen sie kein Wort.“ Sie fürchten, sich bei ihren Vorgesetzten lächerlich zu machen, selbst in Misskredit zu geraten oder ihre Karriere aufs Spiel zu setzen. „Fakt ist, dass sie einen Ort brauchen, an den sie es melden können.“ Im Interview sagt er weiter: „Ich denke dass es eine Sache ist, die wir nicht ignorieren können… Ich denke dass die Informationen, die wir haben, darauf hinweisen, dass wir viel mehr Nachforschungen betreiben müssen. […] Es gibt Hunderte Menschen, die das gleiche sehen.“

Die Senatoren Daniel Inouye und Ted Stevens ließen sich von dieser Idee überzeugen. Stevens berichtete Reid von einem Erlebnis, das er als Pilot während des 2. Weltkrieges gemacht hatte. Eine unbekannte Maschine hatte sich an ihn geheftet und er konnte sie nicht loswerden, obwohl er alles mögliche unternahm um sie abzuschütteln. Im Laufe der Zeit gab es immer wieder kritische Zwischenfälle bei denen Objekte sehr nah an eine Maschine herankamen oder es zunächst sogar nach einem Beinah-Zusammenstoß ausgesehen hatte. Somit konnte man auch mit einer unbekannten Bedrohung der Luftraumsicherheit und Gefährdung der nationalen Sicherheit argumentieren, solange man den Ursprung und die Wissenschaft hinter den unbekannten Objekten nicht verstand.

AATIP

 Das Advanced Aerospace Threat Identification Program (AATIP) existierte von 2007 bis 2012 und bekam in den Jahren ein Budget von 22 Millionen zugeschanzt (Berichtigung: 2012 wurden lediglich die Zuschüsse aus den versteckten Budgets abgedreht. Der ehemalige Leiter Luis Elizondo war bis 2017 an dem Projekt beteiligt und ist der Ansicht, dass es nach wie vor weiter läuft). Es wurde unter die Fittiche der Defense Intelligence Agency (DIA) gestellt und lief zunächst als Advanced Aerospace Weapon System Applications Programm (AAWSA). Nanu, da lief doch scheinbar etwas einen ganz anderen Weg? In durch den Freedom of Information Act freigegebenen Dokumenten, die jüngst erschienen sind (hier eine Fassung vom Januar 2019) heißt es nun plötzlich: „Die Absicht von AATIP war die Untersuchung fortgeschrittener fremdartiger (Anmerkung: oder wenn man es so will, fremdländischer) Luftwaffenbedrohungen der Gegenwart bis hin zu den nächsten 40 Jahren.“

Diese Erklärung macht im militärischen Denken Sinn, denn Ufo-Sichtungen könnten sich als weit fortschrittliche geheim gehaltene Luftwaffenprogramme anderer Nationen erweisen. Zumindest nach außen hin wurde die Arbeit der AATIP seitens der DIA ernst genommen und dem Defense Warning Office unterstellt, das sich seit seiner Gründung im Jahr 2002 der Überwachung von Gefahren von US-Interessen in kritischen Bereichen verpflichtet sieht.

Tatsächlich wurden auch einige UFO-Begebenheiten untersucht, aber nähere Details über die Anzahl und die genauen Vorfälle sind unbekannt. Ein spektakulärer Vorfall wurde im Dezember 2017 geleaked. Es handelt sich um Aufnahmen von Jet Fighter Piloten der Flugzeugträgergruppe USS Nimitz rund um ein unbekanntes Objekt aus dem November 2004. Der Zwischenfall ist allein schon eine eigene Betrachtung wert.

Elizondo war der Kragen geplatzt und hatte seinen Dienst im Pentagon im November 2017 beendet. Er protestierte damit gegen die Geheimhaltung der Regierung, ihren Widerstand, diesen und ähnliche Vorfälle aufzuklären und die Arbeit des AATIP-Programms nicht ernst genommen zu haben. Aus dem Hintergrund kamen diesbezüglich nur Bemerkungen, dass das Programm Papierberge produziert und keine nützlichen Ergebnisse geliefert habe. Elizondo konterte, dass einzig und allein der Geldhahn aus den Spazialbudgets zugedreht worden wäre und das Programm danach im Hintergrund weitergelaufen wäre. Er bemängelte, dass nicht mehr Zeit und Aufwand in die Untersuchung des Phänomens gesteckt würde und ist jetzt mit der To The Stars Academy um den früheren Blink 182 Frontsänger Tom DeLonge verbunden.

Von einer Mufon-Rede Elizondos aus dem Jahr 2018 sind Folien mit einer Timeline über die Projektgeschichte erhalten:

Exotische Projekte

Verwunderlich ist in dieser Hinsicht die kürzlich veröffentlichte Liste von Projekten, die mit Projekt AATIP verbunden waren. Robert Bigelows Firma Bigelow Aerospace hat Teile des Budgets zugeschanzt bekommen und insgesamt 38 Projekte angestoßen, die nicht mehr besonders viel mit dem UFO-Phänomen zu tun haben. Die Hälfte davon fußte zwar auf akademischer Arbeit, ein paar davon sind wiederum fragwürdig oder dubios und fallen wohl in Bigelows exotische Interessensbereiche und sein näheres Umfeld. Am auffälligsten ist dabei EarthTech International aus Austin, Texas mit den Autoren Harold Puthoff und Eric Davis, die für mindestens sechs Berichte direkt verantwortlich waren. Drei Berichte die zumindest geleaked sind, befassen sich mit “Advanced Space Propulsion”, “Warp Drive, Dark Energy, and the Manipulation of Extra Dimensions” und “Traversable Wormholes, Stargates, And Negative Energy“.

Ein Projekt der Universität St. Andrews befasste sich mit dem Thema „Invisibility Cloaking“ und ist mit dem deutschen Wissenschaftler Dr. Ulf Leonhardt verbunden. Drei Beiträge von Lockheed Martin befassen sich anscheinend mit Themen rund um Fusionsenergie und Fusionsantriebe. Die Firma Virginia-headquartered Directed Technologies, Inc. muss eine solch seriöse Arbeit über die Entwicklung von hochenergetischen Laserwaffen abgeliefert haben, dass sie in zwei Versionen vorliegt – die eine unterliegt der strengen Geheimhaltung, während alle anderen Berichte das Label „For Officiel Use Only“ tragen.

Bei der Summe all dieser Projekte muss man sich also fragen, ob man so recht wusste wo man eigentlich hin wollte und ob man nicht den eigentlichen Kern des Programms aus den Augen verloren hat.

Fazit

Das AATIP-Projekt ist letztendlich eine Entwicklung aus dem AAWSAP-Programm, das sich mit den Eigenschaften und Fähigkeiten unbekannter Flugobjekte beschäftigt und die technischen Grundlagen dahinter in einem Reverse Engineering-Ansatz herleiten, nachvollziehen und selbst entwickeln will. Es wurden anscheinend keine formalen Strukturen für die Ufo-Forschung realisiert und erst recht keine Anlaufstellen, an die sich auch militärische Angestellte hätten wenden können. Initiator Harry Reid möchte unbedingt auf diesem Weg weiterarbeiten und würde bis heute gerne eine derartige Anlaufstelle in die Wege leiten.

„Das Programm lief ins Nichts“ […] aber „die Leute beginnen nun die Fakten zu sehen, und daran möchte ich arbeiten.“ Über den Fehlschlag des Programms sagt er: „Ich denke es ist eines der guten Dinge, die ich in meiner Kongressarbeit getan habe. Ich habe etwas getan das noch keiner zuvor getan hat.“

Interessanterweise wird Reid (als damaliger Senator von Nevada) im Radiointerview auch nach der Area 51 gefragt. Bei dem Thema zeigte er Zurückhaltung aber ließ indirekt durchblicken, dass einige Programme der Area 51 die Grundlagen für ganz gewöhnliche Technologien dargestellt haben, die wir jeden Tag sehen können.

Das Schlusswort gehört an dieser Stelle Robert Bigelow:

„Wir sind das international rückständigste Land auf diesem Gebiet. Unsere Wissenschaftler haben Angst davor geächtet zu werden, und unsere Medien haben Angst vor dem Stigma. China und Russland sind sehr viel offener und arbeiten mit großen Organisationen in ihren Ländern daran. Kleinere Länder wie Belgien, Frankreich, England und südamerikanische Länder wie Chile sind auch offener darin. Sie ergreifen die Initiative und sind bereit dieses Thema zu diskutieren anstatt sich von einem kindischen Tabu zurückhalten zu lassen.“

Quellen:

AATIP Did Not End

MUFON-Artikel: https://www.mufon.com/ufo-news/bipartisanship-and-ufosa-chance-for-at-least-one-more-agreement-in-congress-right-now

Radio-Interview:  https://knpr.org/knpr/2019-01/harry-reid-renewed-ready-rumble

Freigegebene Dokumente & Projekt-Listen: http://www.thedrive.com/the-war-zone/26056/heres-the-list-of-studies-the-militarys-secretive-ufo-program-funded-some-were-junk

AATIP-Kurzzusammenfassung: https://en.wikipedia.org/wiki/Advanced_Aerospace_Threat_Identification_Program

New York Times-Artikel:

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