Außerirdische Erleuchtung: Ein Interview mit John Mack

John Mack hatte in diesem Interview die Gelegenheit, ausführlicher darüber zu sprechen, wie die Arbeit am Entführungsphänomen seine eigene Weltsicht verändert hat.

Seine Suche nach einem erweiterten Realitätsbegriff und der transformative Charakter von Begegnungen wird in diesem Zitat für mich auf den Punkt gebracht: „Sie scheinen eine Brücke von der unsichtbaren Welt in die materielle Welt zu schlagen.“

Das Originalinterview befindet sich auf der Seite des JEMI-Instituts:

http://johnemackinstitute.org/1996/08/alien-enlightenment-an-interview-with-john-mack/

Außerirdische Erleuchtung: Ein Interview mit John Mack

von David J. Brown

Eine erweiterte Fassung dieses Interviews erscheint in David Jay Browns 1995 erschienenem Buch mit Interviews für St. Martin‘s Press mit dem Titel Conversations on the Edge of the Apocalypse: Contemplating the Future with Noam Chomsky, George Carlin, Deepak Chopra, Rupert Sheldrake, and Others. Im Folgenden findet sich die Originalversion des Interviews von 1996, die nicht das neuere Material aus den 2003 aufgezeichneten Gesprächen enthält.

„Es beginnt eine Art Erleuchtungsprozess, der sehr verstörend sein kann, aber sie kommen zu der Erkenntnis, dass das Universum ein intelligentes Reich ist, nicht einfach eine physikalische Tatsache.“

Es gibt kaum etwas Faszinierenderes für den menschlichen Geist als die Vorstellung von außerirdischen Wesen, die weit höher entwickelt und technologisch fortgeschrittener sind als wir. Obwohl die Mehrheit der Biologen, mit denen ich gesprochen habe, vermutet, dass sich wahrscheinlich überall im Kosmos Leben entwickelt hat, rollen die meisten Menschen mit den Augen, wenn man die Möglichkeit eines tatsächlichen außerirdischen Kontakts erwähnt. Dennoch behauptet eine beträchtliche Anzahl glaubwürdiger und geistig gesunder Menschen selbst angesichts massenhaften Unglaubens und sogar Verspottung, von außerweltlichen Besuchern entführt, an Bord von seltsamen Raumschiffen gebracht und intrusiven medizinischen Untersuchungen durch kleine, spindeldürre, grauhäutige Wesen mit großen birnenförmigen Köpfen und großen, schwarzen, tränenförmigen Augen ausgesetzt worden zu sein. Doch in den letzten Jahren ist das kulturelle Interesse am Entführungsphänomen gewachsen und mehr Menschen denn je zuvor bringen ihm ernsthafte Aufmerksamkeit entgegen (im Jahr 1992 fand sogar eine wissenschaftliche Konferenz über diese Thematik am M.I.T. statt), vor allem durch die Arbeit von Dr. John Mack. Dr. Mack – ein mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneter Harvard-Psychiater, der die Thematik der Entführungen durch Außerirdische über mehrere Jahre lang intensiv untersucht hat, ist nur schwerlich zu ignorieren. Nach der Lektüre von Dr. Macks kontroversem Bestseller-Buch Abduction (überarbeitete Auflage, Ballantine Books) ist es für eine nachdenkliche Person sehr schwierig, nicht in den Himmel zu schauen und über die Wahrheit dieser Behauptungen nachzudenken. Die Beweise, die er darlegt, sind äußerst überzeugend.

Wenn Menschen nicht von Außerirdischen entführt werden, dann scheint etwas gleichermaßen Unglaubliches vor sich zu gehen – weil eine große Anzahl von psychisch gesunden Menschen ernsthaft von diesen Erlebnissen traumatisiert sind, und es steht einfach außer Frage, dass die Erfahrung für sie extrem real ist. Der bemerkenswerteste Aspekt der Behauptungen über Entführungen durch Außerirdische ist die erstaunliche Übereinstimmung in den Details der Berichte, die die Menschen vorlegen. Derzeit gibt es keine akzeptable wissenschaftliche Theorie, um all die Beweise zu erklären, die im Laufe der Jahre aufgetaucht sind, und jeder, der dieses Phänomen studiert, kann sich sicher sein, dass seine Vorstellung der Realität erweitert wird.

Dr. Mack ist derzeit Professor der Psychiatrie an der Harvard Medical School und ist der Gründungsdirektor des Center for Psychology & Social Change. Er gründete außerdem PEER (Program for Extraordinary Experience Research), eine in Cambridge befindliche Forschungs- und Bildungsgruppe als Projekt des Centers, die sich der Erforschung und dem Verständnis des Entführungsphänomens widmet. Im Jahr 1977 gewann er den Pulitzer Preis für seine Biographie über T. E. Lawrence — A Prince of Our Disorder.

Ich führte am 21. August 1996 ein Telefoninterview mit Dr. Mack und nahm ihn als äußerst nachdenkliche und zum Nachdenken anregende Person wahr. Seine beruhigende Stimme und seine einfühlsame Art des Sprechens erlaubten es mir nachzuvollziehen, warum er in der Lage ist, das Vertrauen so vieler traumatisierter Menschen zu gewinnen, und die Untersuchungsergebnisse, die er mit mir teilte, beflügelten meine Vorstellungskraft zutiefst.

David: Was hat Sie ursprünglich dazu inspiriert ein Psychiater zu werden?

John: Zu der Zeit, als ich um die zwölf Jahre alt war, entwickelte ich eine Neugier für Psychologie. Ich wollte wissen, was in den Menschen vorging, wie sie tickten, was sie so fühlen und handeln ließ, wie sie es taten. Ich war an der inneren Welt interessiert und war ziemlich introspektiv. Es ist interessant, dass die gegenwärtige Psychiatrie in den Vereinigten Staaten in vielerlei Hinsicht alles andere als introspektiv ist, aber es war meine eigene Introspektion, die mich in sie hineinführte. Das Interesse daran, mich selbst zu verstehen, entsprang aus meiner eigenen Bemühung, zu verstehen, warum ich mich zu verschiedenen Zeiten so fühlte, wie ich es tat. Es waren besonders die dunklen Gefühle, die ich nicht verstand und über die keiner jemals sprach.

Also schien mir die Psychiatrie das Gebiet zu sein, das mir helfen würde, dies zu verstehen. Meine ersten Erfahrungen mit Psychologie am Oberlin College war alles andere als introspektiv oder klinisch, da der Kursplan sehr experimentell war. Tatsächlich schien es nur sehr wenig mit menschlichen Wesen zu tun zu haben, so wie ich an ihnen interessiert war, und sehr wenig zu tun mit Kultur, oder den Innenleben und tieferen Antrieben der Menschen. Sie behandelten Emotionen auf eine sehr mechanistische und behavioristische Weise, was nicht dem entsprach, was ich über Emotionen wusste.

Als ich in den späten vierziger, frühen fünfziger Jahren plante, an die medizinische Fakultät zu gehen, war die Psychiatrie eher psychodynamisch, experimentell und behavioristisch. Die Psychologie selbst ist in den Jahrzehnten danach viel mehr klinischer geworden, aber damals gab es eine Spaltung, die mich zwischen dem konfrontierte, was ich von Psychologie wusste, nämlich Behaviorismus, und der medizinischen Psychologie, die klinisch war. Medizinische Psychologie war im Wesentlichen Psychiatrie und es hatte einen starken Einfluss des Freudschen Denkens in den Bereich gegeben, das mich ansprach und mir eine Menge Sinn zu machen schien. Zu dieser Zeit wurde Tiefenpsychologie wirklich nur in der Psychiatrie studiert, nicht in der Psychologie. Das hat sich geändert, aber so war das eben, als ich an die medizinische Fakultät ging.

David: Wie wurden Sie zum ersten Mal in das Entführungsphänomen eingeführt?

John: Es begann mit UFOs. Ich hatte eigentlich nie ein sehr großes Interesse an UFOs gehabt. Ich dachte es gäbe zu viele Leute, die gewöhnliche Objekte entlang der Straße und am Himmel sehen. Im Grunde glaubte ich, dass an den Berichten nichts dran war, und ich hatte kein glühendes Interesse daran.

Ich erinnere mich an eine Unterhaltung über das Thema, die ich mit Carl Sagan und Lester Grinspoon führte, ein alter Kommilitone und Freund von mir von der medizinischen Fakultät. Wir drei saßen irgendwann in den späten Sechzigern zusammen und unterhielten uns, und Lester fragte Carl nach UFOs, da das damals Carls Gebiet war. Und Carl sagte, oh, wir haben das wirklich untersucht und studiert, und da ist nichts dran. Ich denke, dass er sich auf den Condon-Report bezog, von dem ich später erfuhr, dass er überhaupt nicht zu diesem Ergebnis kam. Er besagte nur, dass es einen bestimmten prozentualen Anteil an Fällen gibt, den sie nicht erklären können, und taten es ab. Aber zu jener Zeit schien Carl die Autorität in Fragen außerirdischen Lebens zu sein, also hatte ich seine Antwort einfach akzeptiert.

Man kann sich vorstellen, dass ich ziemlich überrascht war, als sich etwa 15 Jahre später herausstellte, dass Carl sich geirrt hatte und etwas daran dran war. Tatsächlich war eine Menge dran. Aber ich habe mich erst um 1989 wieder damit befasst, als ich eine Schrift von Keith Thompson (den ich später ziemlich gut kennen lernte) über das UFO-Phänomen ausgehändigt bekam. Die Schrift stammte aus einem von Stan Grof herausgegebenen Buch über spirituelle Notfälle, von denen UFO-Begegnungen als eine Art betrachtet wurden. Zu dieser Zeit erlernte ich gerade die Methode des Holotropen Atmens nach Grof, und aus irgendeinem Grund dachte Stan, dass ich dieses Kapitel interessant finden würde. Ich tat es. Ich las es mit großem Interesse, und fragte mich immer wieder, ja, aber ist das real?

Dennoch habe ich bis zum Januar 1990, als ich Budd Hopkins traf, nicht besonders viel davon mitbekommen. Ich wurde von einem Psychologenkollegen und Freund zu ihm gebracht und war beeindruckt von dem, was er mir zu erzählen hatte. Es ging einfach nicht zusammen. Ich konnte mit keiner möglichen Erklärung aufwarten. Wie Sie wahrscheinlich wissen, sind Psychiater sehr gut darin, psychologische, psychosoziale oder psychodynamische Erklärungen für die meisten menschlichen Phänomene zu finden. Aber das hier ergab einfach gar keinen Sinn.

Menschen aus den ganzen Vereinigten Staaten (und jetzt aus der ganzen Welt) haben mit großer Sorge um sich selbst, und mit starken Selbstzweifeln, die gleiche grundlegende Geschichte darüber erzählt, von Außerirdischen besucht und geholt worden zu sein. Und viele der Details sind einander sehr ähnlich, und sie waren zu dieser Zeit noch nicht in den Medien gewesen. Die Menschen haben sich nicht gekannt und waren schockiert, als sie hörten, dass jemand anderes dieselbe Art von Erfahrung gehabt hatte. Ich traf sehr bald darauf einige dieser Menschen, und sie schienen mir sehr vernünftig, sehr authentisch und aufrichtig zu sein.

David: Wie sind Sie dazu gekommen, mit diesen Menschen zu arbeiten?

John: Nun, Budd fragte mich, ob ich einige dieser Menschen sehen wollte, und ich begann sie zu sehen. Zunächst sah ich Leute, die er in New York kannte, aber dann bald darauf begann ich sie selbst in Cambridge und Boston aufzusuchen. Im Großen und Ganzen waren es geistig und emotional stabile Personen. Ich habe mehrere von ihnen psychologisch testen lassen und ich habe die Literatur durchgesehen. Es gibt nichts in den psychologischen Tests, die ich durchführt habe, oder in der Literatur, das darauf hindeuten würde, dass es irgendeine Art von Pathologie gibt, welche die Erfahrungen, von denen diese Leute berichtet haben, in irgendeiner Form erklären könnte.

Von einem streng klinischen Standpunkt aus gesehen wirkt das Phänomen so, als wären diese Erfahrungen diesen Menschen wirklich zugestoßen – nicht wie eine Psychose oder ein Traum oder eine Fantasie oder eine andere Art von Trauma. Jede dieser Formen von geistigen Zuständen weist bestimmte Charakteristiken auf, die nicht mit diesen übereinstimmten. Das war die Grundlage für fast alles gewesen, was ich auf diesem Gebiet gemacht habe. Ich meine, das Einzige, was Menschen dazu bringt, von überall her dieselbe Erfahrung zu berichten, ist, wenn das, wovon sie berichten, wirklich stattgefunden hat.

David: Was sind einige der häufigsten Merkmale, von denen Ihnen die Menschen berichtet haben?

John: Zunächst einmal kann die Person durch das, was passiert ist, traumatisiert sein, ist aber grundsätzlich bei klarem Verstand und leidet unter keinerlei Tendenz zu ungewöhnlichen Fantasiegebilden oder irgendeiner Art von Wahnvorstellung. Sie berichten häufig, dass sie sich in ihrem Auto befunden haben, zu Hause, oder draußen auf einem Feld, wenn es passiert, aber es kann nahezu überall geschehen. Es ist Kindern auf ihrem Schulhof passiert.

Zuerst hören sie ein Summen oder nehmen eine Art intensives Licht wahr, das sie sich nicht erklären können. Sie werden gelähmt und verlieren an diesem Punkt möglicherweise das Bewusstsein oder auch nicht. Dann werden sie von einer seltsamen Energie transportiert und sie sehen eines oder mehrere ungewöhnliche humanoid-aussehende Wesen, die mit dieser seltsamen Energie erscheinen. Diese Wesen nehmen sie typischerweise hinauf in den Himmel und in eine Art von umschlossenem Raum. Es kann sein, dass sie ein UFO aus der Nähe sehen oder auch nicht.

Dann befinden sich dort andere Wesen innerhalb des umschlossenen Raums, die geschäftig Dinge mit etwas ausführen, das manchmal wie eine Computerausrüstung aussieht. Die Wände des umschlossenen Raums sind abgerundet. Es kann eine dunstige Atmosphäre und ein klammer Geruch vorhanden sein. Gewöhnlicherweise ist dort eine Gestalt – die ein wenig größer und älter als diejenigen ist, die sie hochgebracht haben – die sie den „Arzt“ oder den „Anführer“ nennen, der den anderen Anweisungen zu geben scheint.

Anschließend wird man einer Vielzahl von intrusiven Prozeduren unterzogen, welche ziemlich schmerzhaft sein können. Das beinhaltet meist das Starren in die großen schwarzen Augen dieser Wesen. Sie können Körperöffnungen im Ohr, in der Nase, im Auge oder im Anus sondieren. Manchmal haben die Menschen das Gefühl, dass eine Art Gehirnoperation an ihnen durchgeführt wird. Aber überwiegend erfolgt eine Art von reproduktiver oder sexueller Aktivität, bei der den Männern gewaltsam Sperma oder den Frauen Eizellen entnommen wird. Dann kommt es in dieser und den nachfolgenden Erfahrungen zu einer komplexen Art von reproduktiven Vorgängen. Die Literatur ist jetzt vollgestopft mit diesen Dingen, aber das war sie noch nicht, als ich zum ersten Mal davon hörte.

Nun wird das alles mit Emotionen erzählt, die ziemlich stimmig zu dem sind, was sie sagen. Es wird häufig ohne Hypnose erinnert, auch wenn es manchmal leichter mit einem Entspannungsverfahren hervorkommt. Ich denke, es ist wichtig zu betonen, dass vieles davon ohne Hypnose erinnert wird, weil die Leute manchmal sagen, dass dies alles Suggestion durch Hypnose oder etwas in der Art wäre. Ein guter Teil dieser Berichte wird ohne irgendeine besondere Entspannungsanstrengung erinnert. Die Entspannungsübung zielt darauf ab, bei der Erinnerung zu helfen oder auszufüllen, was die Person berichtet, erfahren zu haben, aber meiner Erfahrung nach fügt sie der Mischung nichts hinzu.

Der anfänglichen Entführungserfahrung können weitere Entführungen folgen, bei denen die Person zurück an Bord des Schiffes gebracht wird um Hybrid-Nachkommen zu sehen, von denen ihnen gesagt wird, dass es ihre eigenen seien. Sie werden aufgefordert, diese Hybrid-Säuglinge zu halten und ihnen ihre Fürsorge zu geben, weil diese Wesen zu der Erkenntnis gekommen sind, dass es den Nachkommen auf den Schiffen – oder wo sie auch sonst sind – nicht gut ergeht, wenn sie dies nicht tun. Bis vor kurzem haben sie nicht verstanden, dass diese außerirdisch-menschlichen Hybrid-Nachkommen eine Art von Bemutterung oder Fürsorge benötigen, um zu überleben. Also bitten sie die menschlichen Mütter, diese Geschöpfe zu halten.

Ein weiteres gemeinsames Merkmal ist eine Art telepathische Kommunikation von Geist zu Geist, die eine Art Gegenüberstellung mit uns selbst darstellt. Mit anderen Worten, die Menschen werden mit dem Schicksal der Erde konfrontiert. Ihnen werden Szenen von der Zerstörung der Erde gezeigt oder apokalyptische Bilder von Teilen der Erde, die zerstört werden, und es wird ihnen gesagt, dass die Welt nicht in der Weise, wie wir auf ihr leben, fortfahren kann – indem wir den Planeten so behandeln, als würde er nur unserer Spezies gehören. Es erfolgt also diese starke Art der Konfrontation mit uns selbst. Nun gibt es darum natürlich eine Kontroverse.

Manche Forscher denken, dass dies alles einfach eine Art von Täuschung ist, um unsere Reaktionen zu testen. Aber nach meiner Erfahrung, mit den Menschen, mit denen ich arbeite, ist es ein bedeutender Teil eines Prozesses. Einen weiteren wichtigen Bestandteil könnte man als Bewusstseinserweiterung oder spirituelle Transformation bezeichnen, die aus der Anerkennung dieser anderen Realität erwächst. Mit anderen Worten, das Trauma ist eine Sache, aber grundlegender ist, dass der Erfahrende anerkennt, dass diese Wesen real sind. Das hat die Tendenz, wie ein Mann es kürzlich mir gegenüber ausdrückte, „mich auf die Knie zu zwingen.“

Anders ausgedrückt, es zerrüttet die Vorstellung, dass wir eine überragende Intelligenz im Kosmos sind. Die Erkenntnis, dass es mysteriöse Kräfte und Wesen gibt, die in gewisser Hinsicht wissender, mächtiger und fähiger sind als wir, wird uns sehr stark vor Augen geführt. Anfänglich erzeugt das eine große Angst, doch wenn es akzeptiert werden kann, dann kann es eine Art Reifeerfahrung sein.

Ich denke, dieser neue Kinofilm Independence Day macht sich die zugrundeliegende Angst, die das ganze Entführungsphänomen umgibt, zunutze. In dem Film gibt es einen Mann, gespielt von Randy Quaid, der entführt wird, und er endet in einer Art selbstmörderischen Kamikazeritt mit seinem Flugzeug an der Unterseite eines riesigen Raumschiffs. Er ist derjenige, der durch die Entführung traumatisiert worden ist, und vom Golfkriegspiloten zu einem gescheiterten, alkoholabhängigen Sprühflugzeugpiloten wurde. Also rächt und rechtfertigt er sich, und gewissermaßen auch seine Entführungserfahrung, weil er im Film der sexuell traumatisierte Entführte ist.

Der Film ist eigentlich eine kommerzielle Ausbeutung der unterschwelligen Angst, dass hier etwas auf uns zukommt, mit dem wir nicht wissen, was wir tun sollen. Das ist für viele Menschen beängstigend. Aber was der Film macht, ist, er polarisiert und vereinfacht das Ganze. Es macht aus diesen Wesen eine riesige Bedrohung, die ich nicht wirklich sehe. Diese Schiffe im Film sind einfach so gigantisch und bedrohlich, aber – durch unseren Glauben an die Technologie, etwas gutes altes amerikanisches True-Grit, Computer Know-how, und einem Computer-Nerd wie Jeff Goldblum, der einen Virus findet, der – siehe da – mit ihren Computersystemen kompatibel war – zerstören wir das gesamte Alien-Universum. Es ist eine Art Rückbesinnung auf einfachere, echtere Zeiten.

David: Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass noch nie ein eindeutiger Beweis für eine Entführung durch Außerirdische gefunden wurde?

John: Ich habe ein Buch von Patrick Harpur mit dem Titel Daimonic Reality gelesen. Daimonic bedeutet „unsichtbares Wirken“ und bezieht sich auf die unsichtbare Welt, die – obwohl unmessbar – in Wahrheit realer sein könnte als die materielle Erscheinungswelt. Wenn all dies Maya ist, dann ist die daimonische Welt in einem tieferen Sinne die Quelle der Realität. Dies ist die Welt, aus der Telekinese, Kornfeldkreise und Nahtoderfahrungen ihren Ursprung haben. Wenn man irgendeines dieser Phänomene studiert – Poltergeister, Geistererscheinungen, die große Vielfalt an Psi-Phänomenen, die man untersucht hat, oder die gewaltige Flut an Synchronizitäten, die über Menschen hereinbricht, wenn sie sich spirituell öffnen – man entdeckt, dass keines dieser Phänomene die Art von eindeutigen materiellen Beweisen liefert, die einen Wissenschaftler zufriedenstellen würden, der sich ausschließlich an einer materialistischen Weltsicht orientiert.

Es gibt immer das Locken, das Austricksen, das Quälen. Sie geben dir gerade so viel, damit du weißt, dass da etwas Reales vor sich geht, aber nicht genug, um einem Beweis gerecht zu werden. Der Beweis in der klassischen wissenschaftlichen Methodik ist am besten an ein vollständig materielles Universum angepasst. Sie funktioniert nicht sehr gut bei der Arbeit an Cross-over Phänomenen, die von irgendeinem anderen Bereich aus in die physische Welt eintreten.

David: Was ist Ihrer Meinung nach der überzeugendste Beweis für die Existenz des Entführungsphänomens?

John: Das ist eine gute Frage. Es hängt davon ab, was man als überzeugend voraussetzt. Für mich liegt der überzeugendste Beweis in den eindringlichen, konsistenten Berichten über diese außergewöhnlichen Erfahrungen von Menschen, die insgesamt glaubwürdig sind. Nun, es gibt einige gute Fotografien und Videos von UFOs. Es gibt einige Implantate, die untersucht worden sind. Aber es sind die Berichte selbst, die für mich das meiste Gewicht haben. Die Sache, die das alles so schwierig macht, ist, dass das Entführungsphänomen so schwer fassbar ist.

Ich bin selbst nicht davon überzeugt, dass alles davon ganz wortwörtlich genommen werden sollte. Die Tatsache, dass etwas so tief, wirklich und kraftvoll erfahren wird, bedeutet nicht, dass man es mit hochentwickelten Arten von Metallen oder Fahrzeugen zu tun hat, oder dass andere Menschen notwendigerweise immer in der Lage sein werden, zu beobachten, dass eine Person verschwunden ist, wenngleich viele Entführte während dieser Zeit vermisst werden. Aber einige werden es nicht, und ich weiß einfach nicht, in welcher Realität sich dies abspielt. Für die Erfahrenen wurden ihre Körper geholt, sie sind dort oben, und es ist real. Aber so gesehen ist es verzwickt.

David: Was glauben Sie persönlich, was da wirklich vor sich geht?

John: Dass sie in einem gewissen Sinn entführt werden. Entführung ist ein schlechtes Wort. Etwas sehr Kraftvolles geschieht mit ihnen. Manchmal erleben sie, dass ihre physischen Körper geholt zu werden scheinen. Es gibt Zeugen, die berichten, dass Menschen verschwunden sind. Die Entführten werden als gänzlich real berichten, dass sie durch Wände geschwebt sind, hoch in ein Raumschiff gebracht wurden, all diesen körperlichen, ökologischen und spirituell-bezogenen Erfahrungen ausgesetzt waren.

Es ist vollkommen real. Gleichzeitig bin ich mir nicht sicher darüber, inwiefern es real ist – mit anderen Worten, in welcher Dimension es sich abspielt. Und noch einmal, was mit mir passiert ist, ist, es hat erfordert, dass ich in gewissem Sinne meine buchstäblichen Vorstellungen von der Realität verschiebe, weil die Realität in diesem Sinne nicht auf die physische Welt beschränkt ist. Menschen können in der Tat körperlich geholt werden, aber es wird sehr schwer sein, das zu beweisen. Ich denke nicht, dass man es als so tatsächlich betrachten sollte. Ich denke, dass es einige Arten von Energien, Entitäten und daimonischen Akteuren gibt, derer sich unsere Kultur nicht bewusst ist.

Wenn du in einer afrikanischen Gesellschaft sein würdest, dann hättest du eine ganz andere Perspektive darauf. Ich habe mit afrikanischen Medizinmännern zusammengearbeitet, die eine ganze Klassifikation von Wesen haben, denen ihre Leute begegnen. Und diese Wesen sind in ihren Erfahrungen völlig real, aber sie wären für unsere Kultur nicht real, weil wir nicht mehr über die Sinne verfügen, um sie zu erfassen. Wie der Dichter Rilke sagte, durch tägliche Abwehr haben wir unsere Verbindung abgeschnitten. Die Sinne, mit denen wir die Geisterwelt erfassen können, sind verkümmert.

Darauf war ich nicht vorbereitet, als ich damit begann. Wenn die Leute sagen, dass ich zu etwas bekehrt worden bin, dann wissen sie nicht, dass ich in gewisser Weise der letzte wäre, der sich bekehren lässt. Ich wurde in einer sehr säkularen, rationalen, empirischen, materialistischen – wie auch immer man es nennen möchte – Sichtweise erzogen, und die einzige Sache, die mich dazu brachte, dies ernst zu nehmen, war, dass ich es einfach nicht klinisch einordnen konnte. Es fiel einfach nicht in irgendein Raster. Es verhielt sich so, als wäre es real, aber wenn dies real wäre, dann – gütiger Himmel! –  was geht dann vor sich?

David: Ist die Entführung jemals mehr als die Erfahrung einer einzelnen Person?

John: Oh ja. Budd Hopkins, ich selbst und andere haben Fälle gehabt, in denen Menschen unabhängig voneinander untersucht worden sind, und sie alle berichten von identischen Erfahrungen auf dem Schiff. In einem von John Carpenters Fällen waren über vierzig Erinnerungen identisch, und die Leute hatten nicht miteinander in Kontakt gestanden oder darüber gesprochen. Ich meine, sicher ist es real. Mein Ringen darum dreht sich nicht um diese Frage, denn wie wir die Realität definieren, ist etwas, das weit über die manifeste materielle Welt hinausgeht. Mein Ringen ist, in welchem Sinne ist es real? Mit anderen Worten, wie materiell? Aus welchem Bereich geht es aus?

Dass es sich in der physischen Welt manifestiert, ist das, was die ganze Aufregung verursacht hat. Wenn sich dieses Phänomen nicht in der physischen Welt manifestieren würde, würde es nicht so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Schließlich erfahren eingeborene Völker auf der ganzen Welt die Geister der toten Ahnen und alle möglichen jenseitigen Wesen als völlig real. Aber niemand macht sich darüber Sorgen, weil sie sich nicht in einer Weise manifestiert haben, die das westliche Weltbild stört.

David: Welche Art von Zusammenhang sehen Sie zwischen der Entführungserfahrung und veränderten Bewusstseinszuständen?

John: Aus Gründen, die interessant, aber nicht vollständig klar sind, scheinen Menschen in veränderten Bewusstseinszuständen leichter auf diese Erfahrungen zugreifen zu können. Aber manchmal treten diese Erfahrungen auf und erzeugen einen veränderten Bewusstseinszustand. Jemand liegt im Bett, und dann ist da ein blaues Licht oder ein Summen, und er befindet sich plötzlich in einer anderen Realität, wie es ein Mann ausdrückte. Es ist so, als wäre diese Realität eine Art Theaterleinwand, und die Wesen kommen hindurch, und sie erfahren eine neue Realität – eine darunterliegende oder eine andere Realität, die genau so real ist wie diejenige, die sie zuvor erfahren haben, aber es ist eine andere. Nun kann man sagen, dass sie sich zu diesem Zeitpunkt in einem veränderten Zustand befinden, weil sie eine andere Realität erfahren.

David: Glauben Sie, dass es irgendeinen Zusammenhang zwischen dem Entführungsphänomen und dem außerirdischen Kontakt gibt, über die manche Leute – wie Terence McKenna und John Lilly – in Bezug auf ihre Erfahrungen mit psychedelischen Drogen oder schamanischen Pflanzen geschrieben haben?

John: Ich finde das interessant. Es ist sehr mysteriös. Ich habe dies auch beobachtet, und es scheint, dass sich manche Menschen für etwas öffnen, das ähnlich zu sein scheint, wenn sie psychedelische Substanzen nehmen. Terence McKenna spricht davon, DMT einzunehmen und dann plötzlich alle möglichen Arten von Alien-Wesen um sich herum zu sehen. Was hat das zu bedeuten? Offensichtlich hat es nicht dazu geführt, dass sich etwas physisch materialisiert hat, also deutet es darauf hin, dass die Person in gewissem Sinne proaktiv in der Entdeckung eines anderen Bereichs geworden ist.

Diese Fälle könnten ganz ähnlich erlebt werden wie die Fälle, in denen es tatsächliche physische Hinweise darauf gibt, dass irgendein materielles UFO tatsächlich im Hinterhof von jemandem erschienen ist, aber das hilft mir nicht bei der Situation, der ich gegenüberstehe. Ich habe Fälle, in denen ein Nachbar oder die Medien von einem UFO in der Nähe des Hauses von jemandem berichten, oder dort, wo sie mit ihrem Auto unterwegs waren, und unabhängig davon berichtet mir die Person von einer UFO-Entführungserfahrung. Sie wissen nicht, dass die Medien das UFO aufgespürt haben. Es gibt also eine physische Dimension. Und es ist dieser Aspekt, der in der westlichen Kultur für so viel Bedrängnis gesorgt hat, weil wir uns in unserer materiellen Unantastbarkeit sicher abgeschottet wähnten.

Die Vorstellung, dass irgendwelche Entitäten, Wesen oder Energien aus einer anderen Dimension übertreten und uns hier finden können, und zwar auf eine Art und Weise, gegen die keine Raketenabwehr etwas ausrichten kann, ist – denke ich – für die meisten Menschen beängstigend. Es macht mir persönlich nicht sonderlich Angst. Aber ich schätze, das ist beängstigend, wenn man mit der Vorstellung aufgewachsen ist, dass wir die überragenden Herren des Kosmos sind und niemand uns kriegen kann, und alles, was wir tun müssen, ist, bessere technologisch kontrollierbare Atmosphären, Astro-Kuppeln und solche Dinge zu schaffen, und niemand wird uns jemals erreichen. Ich meine, denken Sie darüber nach, was das militärische Star Wars-Projekt ist. Die Strategic Defense Initiative ist ein Teil dieser Art von Bemühungen, die auf dem Glauben basiert, dass uns Technologie irgendwie sicher und unverletzbar vor uns selbst und den Mächten und Energien des Kosmos machen könnte.

Ich habe die meisten von Terence McKennas Büchern gelesen, und ich finde, sie stimmen sehr mit dem überein, worum es mir geht. Aber ich glaube nicht, dass er wirklich begreift, wie robust das Entführungsphänomen selbst ist, weil sein Zugang dazu so sehr über psychedelische Substanzen erfolgt war. Ich glaube nicht, dass er erkennt, wie kraftvoll diese Cross-over Erfahrungen in einem materiellen Sinne sind.

David: Wie kann die Entführungserfahrung Teil eines größeren psychologischen oder spirituellen Transformationsprozesses sein?

John: Nun, in einem gewissen Sinn wird es klar, wenn man es umdreht. Anders gesagt, es ist eine Art einschränkende Selbstüberschätzung, an den Punkt gekommen zu sein, an dem alles, was existiert eine materielle Welt ist. Es ist unser Geburtsrecht, etwas jenseits der materiellen Welt zu wissen. Wir haben das Universum so behandelt, als wäre es nur totes Material – Sie wissen schon, Materie und Energie.

Wenn diese Wesen tatsächlich eine Art von Intelligenz in einer anderen Dimension widerspiegeln, dann haben die Menschen, wenn sie sich bei ihnen zeigen, keine andere Wahl, als ihre Realität anzuerkennen. Damit beginnt für sie ein kraftvoller psychologischer Öffnungsprozess, so dass sie dann zu der Erkenntnis kommen, dass wir mit viel mehr verbunden sind – nicht nur mit diesen Wesen, sondern auch mit anderen Energien, anderen Entitäten. Und es beginnt eine Art Erleuchtungsprozess, der sehr verstörend sein kann, aber sie kommen zu der Erkenntnis, dass das Universum ein intelligentes Reich ist, nicht einfach eine physikalische Tatsache.

David: Haben Sie persönlich schon einmal irgendeine Begegnung mit einem Wesen gehabt, von dem Sie glaubten, dass es aus einer anderen Welt stammen würde?

John: Nein.

David: Welchen Rat würden Sie jemandem geben, der glaubt, dass er oder sie das Trauma aus einem vergangenem Entführungserlebnis erfährt?

John: Wenn die Menschen zu mir kommen, sagen sie üblicherweise solche Dinge zu mir wie, Ich weiß, dass es verrückt klingt, Sie denken nicht, dass ich verrückt bin, oder? Sie sprechen vielleicht über eine Reihe von spirituellen Erfahrungen, die sie darüber gemacht haben, zur Quelle zurückgekehrt und mit ihr verbunden gewesen zu sein, oder sie haben möglicherweise das Gefühl, dass sie eine zweifache menschliche und außerirdische Identität besitzen, oder sie öffnen sich manchmal für Erfahrungen aus vergangenen Leben – nichts davon ist ihnen sympathisch. Mit anderen Worten, es ist nicht etwas, das sie geglaubt hätten. Aber da ist eine Art und Weise, in der es die Menschen für eine ganze Vielzahl von Erfahrungen öffnet, die von dem auszugehen scheinen, was ich vorher als die daimonische Welt bezeichnet habe – die Welt des unsichtbaren Wirkens, die Welt in der das Bewusstsein vom Gehirn getrennt ist – und sie beginnen viele solcher ungewöhnlichen Erfahrungen zu haben.

Wenn sie Dinge zu mir sagen wie, Ich weiß, sie werden denken, das ist verrückt, aber so ist es passiert. Ich höre einfach zu und ich versuche die Geschichte der Erfahrungen zu verstehen. Ich erzähle der Person nicht, dass ich dafür sorgen kann, dass das nicht passiert, und ich erzähle ihnen nicht, dass es sich nur in ihrem Kopf befindet, weil sie vielleicht selbst UFOs gesehen haben oder ihre Kinder. Kleine Kinder können ihnen erzählt haben, dass von diesen Wesen geholt oder von ihnen aufgesucht worden sind. Also höre ich zu und sage, dass ich das auch nicht verstehe, aber ich habe viele Leute gehabt, die mir ähnliche Geschichten erzählt haben.

Ich versichere ihnen, dass sie nicht die einzige Person sind, die diese Erfahrungen gehabt hat, und dass es zu keiner Art von psychiatrischem Syndrom passt, von dem ich weiß. Ich höre aufmerksam auf physische Hinweise und wir erkunden das. Ich finde heraus, ob andere Familienmitglieder ebenfalls Erfahrungen gehabt haben. Im Grunde versuche ich einfach, der Person zu helfen, sich damit weniger isoliert zu fühlen. Manchmal rate ich der Person damit vorsichtig zu sein, mit wem sie darüber spricht, weil die meisten Menschen – selbst wenn es jetzt häufig in den Medien vertreten war – in der Kultur immer noch nicht dafür offen sind.

David: Welche Reaktionen haben Sie von Ihren Kollegen in Bezug auf ihre Forschungsinteressen erhalten?

John: Gemischte. Aber ich denke, dass Menschen zunehmend – vor allem Fachleute für psychische Gesundheit – diese Fälle sehen, und sobald sie die Fälle sehen, dann schließen sie sich mir in gewisser Weise an.

Aber wenn bei rein newtonschen-cartesianischen Wissenschaftlern etwas nicht nach den physikalischen Gesetzen agiert, die sie verstehen, oder nicht in das materialistisch testbare Grundgerüst fällt, in dem sie zu arbeiten wissen, dann sagen sie einfach, es existiert nicht. Sie leugnen es völlig und sehen nicht, dass dort ein Mysterium vorliegt.

David: Wie verbreitet ist die Erfahrung?

John: Ich weiß es nicht. Es gab keine wirklich verlässlichen Umfragen, und es gab keine Umfragen in den letzten paar Jahren, also kann ich es wirklich nicht sagen. Ich denke, die letzte Umfrage war die Roper-Umfrage, die 91 oder 92 durchgeführt wurde. Wir sehen ständig Fälle, aber die Fälle werden anders. Es sind nicht mehr so sehr diese traumatischen, fortpflanzungsbezogenen, Hybrid-erzeugenden Fälle, da die Leute offen für diese anderen Realitäten und für die Dimensionen der Erkenntnis über uns selbst und unsere Rolle im Kosmos sind.

David: Warum denken Sie, dass sich die Erfahrung verändert?

John: Ich weiß es nicht. Ich denke, teilweise scheint sich die Erfahrung zu transformieren, indem die Person sie mehr akzeptiert. Ich denke die Kultur selbst ist vielleicht mehr bereit, zumindest agnostisch in dieser Sache zu sein, und zu akzeptieren, dass etwas vor sich geht, auch wenn wir es nicht erklären können.

David: Warum denken Sie, dass es so viel kulturelles Interesse am Entführungsphänomen gibt? Jeder Buchladen hat einen eigenen Bereich über UFOs und Entführungen durch Außerirdische.

John: Es ist jetzt mehr Interesse vorhanden als noch vor fünf Jahren?

David: Ich kann es nicht wirklich einschätzen, aber es gibt auf jeden Fall ein großes Interesse.

John: Ich bin mir nicht sicher. Ich bin relativ neu auf dem Gebiet. Ich bin erst seit sechseinhalb Jahren dabei, also kann ich es nicht sagen. Es scheint mehr Interesse zu geben, aber andererseits bin ich selbst so tief darin involviert, dass es schwer zu sagen ist.

David: Sie haben in ihrem Buch Entführt von Außerirdischen erwähnt, dass das Entführungsphänomen wichtige philosophische, spirituelle und soziale Implikationen aufweist. Können Sie erklären, was sie damit meinen?

John: Das hat mit dem Eindruck zu tun, dass das ganze westliche wissenschaftliche, philosophische und religiöse Unternehmen darin bestanden hat, das unsichtbare Wirken aus dem Kosmos zu eliminieren, es zu leugnen, uns in dem zu isolieren, was der Tulane-Philosophieprofessor Michael Zimmerman den anthropozentrischen Humanismus nannte – was bedeutet, dass wir denken, wir seien das Zentrum des intellektuellen Kosmos.

Das ist wirklich ein schrecklich schmerzhafter Ort. Vielleicht liegt ein gewisses narzisstisches Vergnügen in dem Denken, man befände sich an der Spitze der Hierarchie in einem gottlosen Universum. Diese selbstaufgeblasene, technologisch-orientierte Kultur, in der wir leben, kann eine Art von egoistischem Vergnügen bieten, aber gleichzeitig ist es ein furchtbar falscher und isolierender Geisteszustand, in dem wir uns befinden. Daher gibt es ein natürliches Verlangen – was Jung einen spirituellen Hunger nannte –, eine wirkliche Verbindung mit etwas zu spüren, das sich jenseits unserer materiellen Umgebung befindet. Alles, was dies nahelegt, wird also verlockend sein, besonders in einem Fall mit so vielen Beweisen, weil es nicht einfach nur das ist, was irgendjemand in der Kirche sagt – da ist tatsächlich etwas, das sich zumindest teilweise materiell abbildet.

Das ist sehr aufregend, denn es sagt aus, dass wir nicht alleine sind. Ich meine, schauen Sie sich einfach all die Aufregung um diese Möglichkeit einer Art von Mikroorganismus vom Mars an. Stephen Jay Gould sagte, dass der Sprung von dort zu hochentwickelten komplexen Wesen wie uns ein gewaltiger ist. Nun, es ist auch ein ziemlich großer Sprung von Wesen wie uns zu der Art von Dingen, über die ich spreche, und dennoch gibt es eine Form von psychologischer Verbindung. Ich denke, dass die Aufregung um all das daher rührt, dass es darauf hinweist, dass es eine Art von anderer Intelligenz gibt. Es reanimiert das Universum. Es verbindet uns wieder mit dem Göttlichen, und möglicherweise schlägt es eine Brücke zurück zur daimonischen Welt. Es gibt ein tiefes Verlangen, wieder mit dem verbunden zu sein, was meine Entführten „Heimat“ oder „Quelle“ nennen.

Dieses Phänomen scheint zu erfordern, dass wir anerkennen, dass – sofern das Universum an sich selbst nicht intelligent ist – es Intelligenzen enthält. Anzuerkennen, dass die Psyche der Menschen für ein viel größeres Universum geöffnet ist, ist für viele Menschen sehr aufregend und stark transformativ, wenngleich es zunächst eine Art Schock ist. Der gesamte westliche Wissenschaftsbetrieb scheint auf der Vorstellung zu basieren, dass die materielle Welt wirklich alles ist, was es gibt, und doch ist das auf einer tieferen Ebene so ungemein unbefriedigend. Also wirft dies denke ich die Frage danach auf, was Realität ist und was wirklich existiert. Wo ordnen wir Phänomene ein, die scheinbar aus einer anderen Dimension kommen, sich aber in unserer Realität manifestieren, und wie verstehen wir das?

Die großen Religionen konzentrieren sich auf bestimmte spirituelle Entitäten – wie Jesus, Allah, Gott, der Heilige Geist oder Engel – hier haben wir also einige andere Entitäten, aber diese Entitäten scheinen in unsere materielle Welt einzutreten. Was sind die theologischen Implikationen der Einführung dieser seltsamen Wesen in unser Universum? Sie scheinen eine Brücke von der unsichtbaren Welt in die materielle Welt zu schlagen. Ich denke, das wirft wichtige philosophische Fragen auf.

David: Könnten Sie etwas über Ihre Interaktion mit Thomas Kuhn bezüglich Ihrer Herangehensweise an die Erforschung des Entführungsphänomens sagen?

John: Ich kannte Thomas Kuhn als Kind, weil unsere Eltern befreundet waren. Ich ging jedes Weihnachten dorthin, um Eierpunsch und Leberpastete zu vertilgen. Als ich anfing, diese Arbeit zu machen, ging ich zu ihm, und er war interessiert. Er hat mich auf verschiedene Weise gewarnt. Er riet mir, einfach nur Daten zu sammeln, zu versuchen, kein vorschnelles Urteil zu fällen, und auf sprachliche Fallen zu achten – wie real / unreal, existiert / existiert nicht, passierte / passierte nicht, innerpsychisch – außen. Er riet mir, einfach zu berichten – aufzuzeichnen, was die Menschen fühlten und sagten. Und genau das habe ich zu tun versucht.

Die andere Sache, die er sagte, war, sich nicht über die Wissenschaft zu sorgen, denn in dieser Kultur ist Wissenschaft zu einer neuen Art von Theologie geworden. Woran du wirklich interessiert sein solltest, sagte er, ist zu versuchen, etwas zu lernen und Erkenntnisse zu gewinnen, ob es die Wissenschaft zufriedenstellen wird oder nicht. Die Wissenschaft zieht es vor, in erster Linie innerhalb der rein materiellen Welt zu forschen, sagte er, aber mach dir keine Sorgen darüber. Nun, die andere Sache, die er sagte, war, nur in wissenschaftlichen Zeitschriften zu publizieren und kein Buch zu schreiben. Das lag daran, dass er so ein heftiges Interesse und Kritik über sein Buch bezogen hatte, dass er manchmal beunruhigt darüber war. Er ist ein ziemlich schüchterner Mann.

David: Sein Buch Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen ist zur einführenden Standardliteratur in praktisch jedem Kurs über Wissenschaftsgeschichte auf der Welt geworden.

John: In gewisser Hinsicht schien er die Rezeption seines Buches zu beklagen. Ich denke nicht, dass es richtig ist, dass er das tat. Sein Buch wird – so wie jede Popularisierung eines wichtigen und komplexen Konzepts – von vielen Menschen missverstanden werden, die sich mit seinen Federn schmücken wollen. Aber ich denke, wenn man etwas hat, das man sagen möchte, ist es in Ordnung, das in einem Buch zu tun.

David: Warum haben Sie Entführt von Außerirdischen geschrieben?

John: Ich bin in diesem Punkt nicht seinem Rat gefolgt und ich habe ein Buch geschrieben. Zunächst einmal konnte ich das, was ich zu sagen hatte, nicht in einem Artikel unterbringen, weil es zu komplex ist, und die Fälle zu umfangreich waren. Ich wollte eine Art Landkarte des ganzen Phänomens entwerfen, so gut ich es aus meiner Erfahrung heraus konnte. Ich hielt es für wichtig, unabhängig davon, ob diese Wesen wortwörtlich als materielle Entitäten aufgefasst werden sollten, oder ob es sich um etwas komplexeres und subtileres handelt, das aus der Unsichtbaren Welt in die materielle Welt hinüberwechselt. Was auch immer es ist – daimonische oder materielle Realität – es schien mir wichtig und eine große Geschichte, über die ich berichten wollte. Das habe ich also getan.

David: Woran arbeiten Sie gegenwärtig, und was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

John: Ich führe diese Arbeit fort, und ich habe viele weitere Fälle gehabt. Ich habe mich stärker mit dem Bewusstseinsaspekt und der spirituellen Bedeutung dessen beschäftigt, und ich bin sehr an den kulturellen Veränderungen darum herum interessiert. Sprich, was ist der Widerstand dagegen? Das sind die Art von Fragen, die du stellst. Warum hat es so viele Kontroversen ausgelöst? Warum ist es so schwer, das zu akzeptieren? Wenn ich um die Welt reise, sehe ich, dass Menschen in anderen Kulturen, die nicht von der westlichen cartesianisch-newtonschen-materialistischen Weltsicht durchdrungen sind, keine Probleme damit haben. Afrikaner haben keine Schwierigkeiten damit. Sogar in Brasilien habe ich viel weniger Widerstand dagegen gefunden.

David: Wird das Phänomen in diesen Kulturen ebenso häufig berichtet?

John: In anderer Form, und nicht immer in der buchstäblich körperlichen Weise, in der es unsere klassischen Entführungsfälle hier sind. Manchmal sind sie ziemlich körperlich, und manchmal sind sie es weniger. Die Wesen teilen den Menschen oft mit, dass sie nicht wirklich so sind, wie sie erscheinen, aber sie müssen sich einer gewissen materiellen Form zeigen, damit man sie wahrnehmen kann. Wenn sie so erscheinen würden, wie sie wirklich sind, wäre man entweder verstört oder man könnte sie nicht erkennen.

Wenn diese Wesen wirklich um tausende von Jahren fortgeschrittener sind als wir, ist es sehr gut möglich, dass uns die Art und Weise, wie solche Entitäten auf natürliche Weise erscheinen würden, nicht vertraut wäre. Aber diese anderen Kulturen, die diese Fälle haben, finden es nicht so erschütternd für ihre Weltsicht wie wir es tun. Das liegt daran, dass sie nicht im gleichen Maße wie wir diese Dichotomie zwischen der materiellen Welt und den unsichtbaren Bereichen aufgebaut haben, und dass es keine Überschneidungen zwischen ihnen geben sollte.

Im neunzehnten Jahrhundert gab es diese Modeerscheinung der Medialität und des Zugangs zu anderen Reichen durch verschiedene Seher. Insbesondere gab es einen Mann namens Home, und die Britische Akademie brach wie gewöhnlich auf, um dies zu widerlegen. Sie entsandten einen führenden Wissenschaftler mit dem Namen Crocker, um Home aufzusuchen, und all diese Behauptungen über Besuche aus der anderen Welt, usw. zu untersuchen. Also vertiefte sich Crocker in all das und kam zu der Schlussfolgerung, dass es real war, dass er es nicht entlarven konnte. Er konnte nicht zeigen, dass es alles Betrug war. So kam er zurück zur Akademie und berichtete, was er gefunden hatte. Unnötig zu sagen, dass sie ziemlich erzürnt waren, und sie sagten zu ihm, dass es nicht möglich ist, und er antwortete: „Ich habe nie gesagt, dass es möglich ist, ich sagte nur, dass es wahr ist.“

David J. Brown ist Autor von sieben Büchern über die Zukunft der Wissenschaft und des Bewusstseins, darunter vier Bestseller-Bänden von Interviews mit führenden Randdenkern, Mavericks of the Mind, Voices from the Edge, Conversations on the Edge of the Apocalypse, und Mavericks of Medicine. Er hat einen Master-Abschluss in Psychobiologie von der New York University, arbeitete als neurowissenschaftlicher Forscher im Bereich Lernen und Gedächtnis an der University of Southern California und war für die an der California durchgeführten Forschungen in Verbindung mit zwei Büchern des britischen Biologen Rupert Sheldrake über unerklärliche Phänomene in der Wissenschaft verantwortlich: Dogs That Know When Their Owners Are Coming Home und The Sense of Being Stared At. Davids Arbeiten sind in zahlreichen Zeitschriften erschienen, darunter Scientific American, Discover, und Wired, und er ist regelmäßiger Gastredakteur des MAPS (Multidisciplinary Association for Psychedelic Studies) Bulletin. David ist ebenfalls Autor zweier Science-Fiction Romane, Brainchild und Virus. MavericksOfTheMind.com

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