Die Pascagoula-Entführung

Die Pascagoula-Entführung zählt bis heute zu einem der bekanntesten und umstrittensten Entführungsfälle. Die Umstände der Entführung und die beobachteten Wesen waren eher ungewöhnlich und zogen viel Skepsis auf sich, nicht zuletzt weil einer der Betroffenen, Charles Hickson, im Laufe der Zeit ziemlich offensiv mit seinem Erlebnis umging. Der andere Zeuge Calvin Parker bildete das Gegenteil, mied das Licht der Öffentlichkeit größtenteils und schwieg zu dem damaligen Vorfall.

Ich selber habe mich nie sonderlich mit dem Fall beschäftigt weil er oft nur sehr einseitig beschrieben wurde. Doch wenn man sich ein wenig in den Fall einliest zerstreuen sich viele der angeblichen Kontroversen. Wenn man bedenkt, dass der Schauplatz der Entführung im Jahr 1973 angesiedelt ist, finden sich viele bekannte Merkmale wieder: Die Sichtung eines Objekts, eine körperliche und mentale Beeinflussung der Betroffenen, telepathische Kommunikation, eine medizinische Untersuchung und der Rücktransport an den Ursprungsort. Der beispiellose Medienrummel, der kurz danach einsetzte, beeinflusste die beiden Betroffenen in ihren Motiven und Handlungen ebenso wie das plötzlich eintretende und zutiefst aufwühlende Erlebnis. Durch ihre unterschiedliche Persönlichkeit entwickelten beide im Laufe der Jahre eine jeweils andere Strategie, um mit den Geschehnissen umzugehen, aber wie es letztendlich bei allen Abductees der Fall ist, prägte sie das Erlebnis ihr Leben lang.

Der jetzt 65-jährige Parker hat seine Geschichte nun in einem Buch aufgearbeitet und sich dazu entschlossen, sich in ein paar Auftritten über seine Sicht der Dinge zu äußern, unter anderem auch auf dem International Ufo Congress. Danach möchte er wieder unter dem Radar segeln und weiter seiner großen Leidenschaft frönen, dem Fischen. Ein solches Interview gab er im August 2018 auch Linda Moulton Howe auf Earthfiles.

Das Erlebnis

Auch am Abend des 11. Oktober 1973 befanden sich der damals 42-jährige Hickson und der 19-jährige Parker nach der Arbeit beim Fischen auf einem Pier am Westufer des Pascagoula River, Mississippi. Das Gebiet war verlassen und nur durch einen Fußmarsch durch Geröll und verwildertes Gestrüpp zu erreichen. Hickson erklärte später, dass sie eine Art Zischen oder Surren hörten und sich ein leuchtendes, footballartig-längliches Objekt von oben herabgesenkt hatte, das in nur geringer Höhe über dem Boden schwebte. Das Objekt kam über dem verwilderten Areal herunter und da beide mit dem Fischen am Ufer beschäftigt waren, kehrten sie ihm zunächst den Rücken zu. Parker bemerkte einen bläulichen Schimmer über dem Wasser und glaubte zunächst, die Polizei hätte sie an ihrem Standort bemerkt und wäre gekommen um sie zu verjagen:

„Ich nehme an, Charlie hat es zur selben Zeit wie ich gesehen. Ich stand also auf und drehte mich um und schaute hin, und fast augenblicklich – sie haben wahrscheinlich die Öffnung aufgemacht oder uns geblendet oder so etwas, weil das Licht gleißend hell wurde, also so sehr dass man es fast nicht mehr in den Augen aushalten konnte, man musste sie ein wenig zusammenkneifen […] Und ich konnte die Gestalten nicht sehen […] und ich kann nicht für Charlie sprechen, weil ich nie so richtig mit ihm darüber gesprochen habe, und ich konnte die Gestalten nicht sehen, die zu uns kamen, aber ich konnte drei massige Gestalten ausmachen, ungefähr auf der Hälfte der Strecke, wo mein Auto stand und dort wo ich stand […] Und ich bemerkte, dort wo wir Probleme hatten, durch all den Müll und das Geröll und das Gras zu gelangen, schienen sie einfach hindurchzugleiten, und ich dachte: „Wie zum Teufel kommen sie durch all das durch?“, aber ich merkte dann irgendwie dass sie zwei Fuß über dem Boden schwebten.“

Aus dem Objekt kamen drei Alien-Wesen von humanoider Gestalt, die zwischen 1,50 und 1,60 Meter groß waren. Die Männer beschrieben sie als gräulich oder bleich mit einer lederartigen faltigen Haut (Hickson vergleich es mit Elefantenhaut). Sie hatten klauen- bzw. krabbenartigen Hände und einen direkt an den Körper anschließenden Kopf ohne Hals. Hickson beschrieb schlitzartig angedeutete Augen und eventuell einen Mund, während Parker nichts davon erkannt hatte. Sie hatten jedoch spitz angedeutete Nasen und Ohren. Statt auf Beinen ruhte der Körper auf einer Art Säule, wobei Hickson zwei zusammengefügte Füße erkannt haben will. Durch ihre klobige Statur, ihre Farbe und ihre mechanischen Bewegungen wirkten sie auf die Männer zunächst wie Roboter. Der Fluchtweg war komplett abgeschnitten, aber durch die Plötzlichkeit der Ereignisse waren die Männer ohnehin wie festgewurzelt. Zwei Wesen schwebten an Hicksons Seite heran und eines an Parkers:

„Und sie streckten die Hände aus und packten mich am Arm, an meinem linken Arm, und sobald sie das getan hatten, fühlte ich mich sofort entspannt, und ich begann sofort zu schweben […] als ob ich an Helium-Ballons gebunden wäre und schwebte etwas hoch auf ihre Höhe, und wir glitten einfach mitten durch das Gras. Ich war nicht dazu fähig mich umzudrehen, mich zu verdrehen, mich zu bewegen, zu kämpfen oder Widerstand zu leisten, ich befand mich einfach in einer fixen Haltung, dem Objekt zugewandt, und wir schwebten mitten durch das Gras, durch das wir uns so sehr durchgequält hatten als wir dort zum Fischen gingen. Später dachte ich darüber nach dass sie mir eine Injektion gegeben haben könnten, ich denke sie könnten mir irgendetwas gegeben haben, um mich zu beruhigen.“

Die Männer beschrieben einen benommenen Zustand und waren im Verlauf der Entführung nur in der Lage, ihre Augen zu bewegen. Das Innere des Schiffes schien nur wie aus den Wänden heraus erhellt zu sein, ein Detail, das auch heute immer wieder berichtet wird. Hickson beschrieb eine eingehende medizinische Untersuchung auf einem Tisch, bei der ein instrumentenartiges, ovalförmiges „Auge“ um seinen Körper geführt wurde, wobei er zwischendurch umgedreht wurde. Der Begriff „to probe“, der im Englischen in Zusammenhang mit Entführungen immer wieder gebraucht wird, soll übrigens auf die Pascagoula-Entführung und Hicksons Beschreibungen zurückgehen. Von den roboterartigen Wesen waren manchmal Summtöne zu hören, mit denen sie sich eventuell untereinander verständigten, sie schienen jedoch auch auf nicht-hörbare Anweisungen zu reagieren. Parker wurde zunächst einer ähnlichen Untersuchung in einem getrennten Raum unterzogen. Er wurde dann im Gegensatz dazu mit einem scheinbar weiblichen Wesen konfrontiert, das sich in ihrem Aussehen von den roboterartigen Wesen unterschied und menschlichere Züge aufwies:

„Dann war da so ein, wie ich es bezeichne, weibliches Wesen – das vielleicht auch männlich gewesen sein könnte, ich weiß es nicht – es gab keine Möglichkeit sie zu unterscheiden, sie war einfach klein und sah weiblicher aus, und ich bezeichnete sie einfach als weiblich weil sie mir weiblich vorkam, man konnte keine Brüste sehen oder irgendwelche anderen Merkmale in dieser Richtung. Sie kam also rein und fasste mich mit einer Hand an, sie begann an der Haut in meinem Gesicht zu ziehen, machte meinen Mund auf und fuhr mit ihren Fingern in meinen Mund und schaute in meinen Mund, und unterzog mich einer Art Untersuchung, so gut sie es vermochte, und dann drehte sie sich um, und es machte mir Angst, und ich dachte mir in diesem Moment – vielleicht begann in diesem Moment die Wirkung der Droge abzuklingen – ich könnte sie vielleicht an ihrem Hals packen und mich aus dem Staub machen und sie mitnehmen – aber das funktionierte nicht. Sie schaute mich einfach an, und ich wusste genau was sie dachte, sie sagte: „Hab keine Angst. Wir werden dir nicht weh tun.“ Oder vielleicht nicht einmal Worte, sie dachte einfach und ich begriff dass es telepathisch war, und sagte mir dass sie uns nicht weh tun würden.

[…]

Und dann kam das große häßliche Wesen zu mir, packte mich am Arm, es war genau das gleiche wie zuvor, in der Sekunde als er mich packte, schwebte ich sofort vom Tisch hoch, und er – oder es – drehte sich um, schwebte mit mir aus der Tür, zurück ans Flussufer, genau dort wo sie uns auf dem Pier geholt hatten, mit dem Unterschied, dass ich dem Wasser zugewandt war, und als er mich absetzte, waren meine Arme in Richtung des Wassers ausgestreckt, und ich blieb in dieser Position irgendwie einen Moment lang erstarrt, bis ich Charlie sagen hörte: „Calvin! Calvin! Calvin! Geht es dir gut Junge?“ Und ich kam zu mir […] und hatte noch genug Zeit mich umzudrehen, und sah die Lichter gerade verschwinden, also dachte ich dass sie die Öffnung geschlossen haben mussten, und das Ding stieg gerade hoch und machte ein etwas zischendes Geräusch, einfach Ssssss… und dann verschwand es.“

Die Männer waren zunächst so perplex und geschockt, dass sie noch nicht großartig über ihr Erlebnis sprachen. Parkers erste Worte waren, dass keiner etwas darüber erfahren dürfe. Zurück an Parkers Auto angekommen bemerkten sie, dass eine Seitenscheibe zersprungen und ein langgezogener Kratzer an der Wagenseite erschienen war. Es ist unklar ob etwas durch den Flug des Objekts gegen den Wagen geschleudert wurde oder ob es möglicherweise einen hohen Frequenzton ausgesandt hat, wie Parker es im Interview vermutet. Außerdem war die Batterie des Wagens stark mitgenommen und sie brauchten daher einige Minuten um ihn zum Laufen zu bringen.

Die Ohnmacht

Wer schon einmal etwas über den Pascagoula-Vorfall gelesen hat, wird jetzt vielleicht etwas ins Stocken geraten weil er an eine andere Version der Geschichte gewöhnt ist. In all den Jahren war nämlich immer die Rede davon, dass Parker sich nur an den Beginn der Entführung erinnern konnte und ganz einfach in Ohnmacht gefallen ist, als eines der Wesen ihn am Arm berührt hat. Wie sich aber herausstellt, wählte Parker diese Strategie recht schnell. Trotz aller Verstörung und der Angst, sich lächerlich zu machen und dass ihnen keiner glauben würde, wollte Hickson die Geschichte nämlich nicht einfach auf sich beruhen lassen. Er fürchtete sogar, dass sie beide verstrahlt worden sein könnten oder dass es sich bei der Sache um etwas Gefährliches handeln könnte. Nach einem Anruf bei der Keesler Air Force Base, bei der sie an die lokale Polizei verwiesen wurden, landeten beide schließlich auf dem Sheriffs Department. Dort reifte anscheinend Parkers Plan, die Ohnmacht als Schutzbehauptung zu erfinden, sich anschließend mit Hickson abzusprechen und ihm fortan das Reden zu überlassen.

Ich muss gestehen, dass mich Parkers angebliche Ohnmacht selber etwas stutzig gemacht hat, aber die Gründe für mich immer nachvollziehbarer wurden – erst Recht, wenn man sich die drastischen Folgen ansieht, die der Schritt in die Öffentlichkeit nach sich gezogen hat. Im heutigen Sprachgebrauch könnte man sagen dass die Geschichte geleaked worden und viral gegangen ist. Etwas unstimmig ist für mich noch eine Bemerkung von Parker auf einem geheimen Kassettenrekorder, den die gewitzten Beamten nach der Befragung in einer Schublade versteckt hatten. In diesem Moment sprechen die Männer das erste Mal richtig über ihr Erlebnis, aber verraten sich dabei nicht als Witzereißer, wie die Beamten es sich eigentlich erhofft haben. Vielmehr versuchen sie ihre Erlebnisse zu sortieren und man kann ihre Angst und Anspannung aus der Abschrift des Tonbands klar erkennen:

Calvin: „Meine verdammten Arme, meine Arme, ich erinnere mich dass sie einfach erstarrten und ich mich nicht bewegen konnte. Als ob ich auf eine verdammte Klapperschlange getreten wäre.“

[…]

Calvin: „Ich bin ohnmächtig geworden. Ich glaube ich bin noch nie in meinem Leben ohnmächtig geworden.“

Charlie: „Ich habe so etwas noch nie in meinem Leben gesehen. Die Leute werden es uns nicht glauben – „

Calvin: „Ich möchte nicht weiter hier herumsitzen. Ich möchte zu einem Arzt -„

Charlie: „Sie sollten besser aufwachen und es glauben… Sie sollten es besser glauben.“

Calvin: „Hast du gesehen wie die verdammte Tür (Anmerkung von mir: die Öffnung des Objekts) einfach herausgefahren ist?“

Charlie: „Ich weiß nicht wie es aufgegangen ist, Junge. Ich weiß es nicht.“

Calvin: „Sie ist einfach herausgefahren und genau so sind diese Scheißdinger – genau so sind sie herausgekommen.“

Charlie: „Ich weiß. Man kann es nicht glauben. Man kann es den Menschen nicht glauben machen-„

Calvin: „Genau dann war ich gelähmt. Ich konnte mich nicht bewegen-„

Charlie: „Sie werden es nicht glauben. Sie werden es eines Tages glauben. Vielleicht zu spät. Ich wusste schon immer dass es dort oben Menschen von anderen Welten gibt. Ich wusste es immer. Ich habe nie gedacht dass es mir passieren würde.“

Unter allen Interviews, die ich bis jetzt gehört habe, ist Linda Moulton Howe als einzige auf dieses Detail angesprungen und fragt Parker, warum er gegenüber Hickson zunächst seine Ohnmacht erwähnt hatte. Parker erklärt, dass er seinen außergewöhnlichen körperlichen Zustand während der Entführung – eine völlige Lähmung mit Benommenheit – nicht einordnen konnte und ihn damals nur mit einer Ohnmacht erklären konnte, auch wenn er aus eigener Erfahrung nicht wusste, wie genau sich eine Ohnmacht eigentlich anfühlt. Ganz plausibel ist das für mich nicht, andererseits spricht er von einer späteren bewussten Absprache mit Hickson.

Tatsächlich hielt Hickson das Versprechen sein Leben lang und gab die falsche Geschichte seinerseits immer wieder weiter. In dem Sinn könnte man ihn als Vaterfigur auffassen, die seine schützenden Hände über Parker gehalten hat. Auf der anderen Seite geriet er dadurch in eine Spirale, die ihn immer wieder in das Licht der Öffentlichkeit führte. Hickson scheint schon früher für die Idee von Außerirdischen auf anderen Welten offen gewesen zu sein. In einem späteren Interview bezeichnet Hickson das Erlebnis als das furchterregendste, was ihm in seinen Leben passiert war. Hickson war Kriegsveteran mit Kampferfahrung und sprach seine Sorge darüber aus, dass Parker das Erlebnis weit weniger gut wegstecken konnte, weil ihm bislang noch nichts Schlimmes in seinem Leben widerfahren war. Parkers damalige psychische Verfassung stützt diese Aussagen und er selber erklärt dazu, dass er gleichzeitig an sein weiteres Leben denken musste. Er war gerade dabei gewesen, Geld für seine Hochzeit und das neue Leben mit seiner zukünftigen Frau zusammen zu sparen. Darüberhinaus war das Erlebnis zu verstörend gewesen und er musste die Bewältigung der Erlebnisse zu der damaligen Zeit mit sich selbst ausmachen.

An einem Punkt in seinem Leben dachte er sogar, die Wesen wären Dämonen gewesen. Es ist sogar die Geschichte belegt, dass Parker die Kleidung, die er während der Entführung getragen hatte, später in den Müll warf und seinen Körper von Kopf bis Fusch abwusch. Einer der Sheriffs erinnert sich noch genau an Parkers verängstigten Zustand. Ganz zu Beginn soll er panisch zu Hickson gesagt haben, sie sollten besser nichts erzählen, weil sonst die Dinger wiederkommen und sie holen könnten. Obwohl man ihnen wegen ihrer Verfassung glaubte, etwas absolut Ungewöhnliches erlebt zu haben, sah sich die Polizei nicht den Schauplatz des Geschehens an.

Die Folgen

Am nächsten Tag war die Geschichte an die Zeitung durchgesickert. Unzählige Schaulustige reisten an und ihre Anwesenheit führte in der Gegend zu jahrmarktsähnlichen Zuständen. Zwei Witzbolde liefen in Silberfolie gehüllt durch die Gegend. Reporter kamen später bis an Parkers und Hicksons Arbeitsstelle und machten Hicksons Haus ausfindig. Parker sagte später im Scherz, dass er an einem einzigen Tag in einem neuen Job gearbeitet, von einem UFO entführt und gefeuert worden war (bzw. ihm nahegelegt worden war zu gehen). Es hatte noch nie einen derartigen Medienrummel um einen Entführungsfall gegeben. Die Männer waren zunächst wie gewohnt zur Arbeit gegangen, wo auch Parkers Zustand aufgefallen war. Bei einem Gespräch mit dem Vorarbeiter wurde ihnen geraten, den Anwalt der Werft zu kontaktieren, der eine erste medizinische Untersuchung im Krankenhaus in die Wege leitete, eine ausführlichere Untersuchung erfolgte auf der Keesler Base. An den Männern konnten keine Strahlenspuren nachgewiesen werden, jedoch fand man bei beiden einen möglichen Einstich am Arm (was die Vermutung einer Injektion stützen würde) und einen zusätzlichen Kratzer bei Parker. Seltsamerweise ließ man den Männern später keine ausführlichen medizinischen Details dieser Untersuchung zukommen. Prominente Gäste wie J. Allen Hynek traten in Erscheinung und es wurde sogar eine Hypnose versucht, die wegen der emotionalen Erregung bei beiden fehlschlug. Hynek betrachtete die Männer als vollkommen glaubwürdig.

Auch prominente Skeptiker wie der berüchtigte Philip Klass schossen sich auf den Fall ein , der bis heute für seine amüsanten und kreativen „Wegerklärungen“ bekannt ist. Einer populären „Aufklärung“ zufolge sollen beide Männer einfach besoffen gewesen sein. Zumindest Hickson hatte nach dem Erlebnis einen Schnaps getrunken um sich zu beruhigen und hatte das dem Sheriff gegenüber auch erklärt (zusätzlich wurde bei beiden Männern ein Alkoholtest gemacht). Dann müsse er eingeschlafen und eine hypnagoge Halluzination gehabt haben. Da Hickson und Parker durch ihre Familien miteinander verbunden waren, Hickson ihm den neuen Job besorgt hatte und Parker kurzzeitig bei den Hicksons wohnen durfte, sei Parker aus Angst in die Geschichte mit eingestiegen oder habe sie durch psychische Labilität einfach weiter ausgesponnen. Ein bestandener Lügendetektortest an Hickson sei unzulässig gewesen, weil er von einem unerfahrenen Untersucher durchgeführt worden war. Der Pier, an dem die Entführung stattgefunden hatte, war in Sichtweite durch zwei Brücken eingerahmt und die Brückenwärter hätten nichts Ungewöhnliches bemerkt. Eine Sicherheitskamera, die auch ungefähr in das besagte Gebiet ausgerichtet war, habe nichts Besonderes aufgenommen. Im Laufe der Zeit meldeten sich jedoch immer mehr Zeugen, die im selben Gebiet zur fraglichen Zeit eine Ufo-Sichtung gehabt haben und es waren auch davor oder später immer wieder Objekte gesichtet worden.

Es gab Interviews und Talkshow-Fernsehauftritte, Parker erlitt einen Zusammenbruch und ließ sich ins Krankenhaus einweisen. Er verließ die Gegend recht schnell, heiratete und suchte sich immer neue Jobs. Mit der Presse wollte er fortan nichts zu tun haben, und immer wenn ihn irgendjemand erkannte, wechselte er einfach den Wohnort.

Hickson

Auch Hickson schien wie ein Getriebener, trat immer wieder ins Licht der Öffentlichkeit, hielt später Vorträge, schrieb ein Buch und tingelte irgendwann sogar an Schulen. Der Kontakt zwischen den beiden Männern war nur noch sehr spärlich bis gar nicht vorhanden. Während es Parker finanziell ganz gut ging, half er Hickson am Ende seines Lebens sogar einmal mit einer Mietzahlung aus. Im Jahr 1974 hatte Hickson gegen Mitternacht auf der Heimfahrt eine Ufo-Sichtung mit seiner Familie. Ein scheibenförmiges leuchendes Objekt schwebte eine Weile in etwa 50 Meter Entfernung eine zeitlang über dem Wagen und verschwand dann einfach. Im gleichen Jahr befand er sich im Wald auf der Jagd und erkannte durch das Dickicht hindurch angeblich die Teile eines Raumschiffs. In diesem Moment will er eine telepathische Botschaft erhalten haben und dann wie in Trance einfach umgekehrt und nach Hause gegangen sein. Die gleichlautende telepathische Botschaft erhielt er auch etwas später noch einmal:

„Sag den Menschen, dass wir nichts Böses mit euch vorhaben. Du hast es durchgestanden. Du wurdest ausgewählt. Es gibt keinen Grund Angst zu haben. Eure Welt braucht Hilfe. Wir werden helfen, bevor es zu spät ist. Ihr seid noch nicht darauf vorbereitet, es zu verstehen. Wir werden bald wieder zurückkehren.“

Hickson traf sich sogar einmal mit Betty Hill, die neugierig darauf war, ob die Männer dasselbe Objekt gesehen hatten, was jedoch nicht der Fall war. Hynek bestärkte ihn darin, es noch einmal mit Hypnosesitzungen zu versuchen. Dabei ergab sich immer nur dieselbe Geschichte des Pascagoula-Vorfalls, bis auf ein interessantes Detail, das sich mit Parkers Erlebnis decken würde:

„Es waren Leute auf diesem Schiff – lebende Wesen in einer anderen Abteilung. Sie kamen nie dort hin, wo wir uns befanden. Und ich sage Ihnen, sie sahen fast so aus wie wir. […] Die einzige Möglichkeit, mit der ich es erklären kann, ist dass sie nicht in unserer Atmosphäre leben konnten, also haben sie die Roboter herauskommen und uns hineinbringen lassen.“

Hickson starb im Jahr 2011 im Alter von 80 Jahren. Er ist nie von seiner Geschichte abgewichen. Sein Sohn sagte in einem Interview:

„Das einzige was er tun wollte, war alle wissen zu lassen, das wir nicht alleine waren. […] Es machte ihm nichts aus, ob man ihm glaubte oder nicht. Wenn man ihm zuhören wollte, erzählte er es einem auf Teufel komm raus. […] Er hat nie verstanden, warum er ausgewählt wurde. […] Aber er hat mir nicht ein einziges Mal gesagt, dass er gewünscht hätte, es wäre nie passiert. Niemals.“

Parker

Jahre später hatte Parker ein Missing Time-Erlebnis, als er unterwegs beim Fischen war. Ein Freund überredete ihn, Kontakt mit Budd Hopkins aufzunehmen, und während einer Tagung in Florida im Jahr 1993 kam es zu einem Zusammentreffen. Hopkins bot spontan an, ihn im Hotelzimmer zu hypnotisieren. Von dieser Sitzung existiert eine verschollene Tonbandaufnahme. Philip Mantle, der zusammen mit Parker an dessen Buchprojekt arbeitete, machte die Aufnahme bei David Jacobs ausfindig, der Hopkins Archiv nach dessen Tod übernommen hatte. Die Hypnosesitzung befasst sich mit dem Pascagoula-Zwischenfall, ist aber emotional sehr intensiv, zuweilen auch sehr konfus und verwirrend.

Demnach hat das weibliche Wesen Parker während der Untersuchung eine blutende Verletzung im Gesicht und an der Hand zugeführt, wo sich später auch der Kratzer befunden hatte. Parker empfand große Schmerzen und empfand das Wesen in dieser Situation als  „evil“ und glaubte es würde ihn töten wollen. Es schien etwas in seinen Arm zu implantieren und die Verletzung zu heilen. In einem konfuseren Teil schien es ihm im bedrohlich-tödlich empfundenen Abschnitt der Entführung mitzuteilen, dass sie (die Wesen) keine Angst vor ihnen (den Menschen) zu haben brauchten. Es gab eine Art außerkörperliches Erlebnis und eine Art Epiphanie, es erschien ein Licht vor dem das weibliche Wesen Angst hatte und das ihre Macht brach. Später sei es Parker doch noch gelungen, das weibliche Wesen anzugreifen und zu verletzen. Alles in allem hätten Sigmund Freund und Jung wohl ihre helle Freude an der Analyse gehabt. Die Sitzung hatte anscheinend auch Budd Hopkins sehr mitgenommen. Vielleicht scheint Hypnose in diesem Fall nicht das glücklichste Mittel der Wahl gewesen zu sein. Parker erklärt, sich selber nicht an die Aussagen der Sitzung zu erinnern und sich nicht sehr mit dem Tape beschäftigt zu haben, das erst von Mantle transkribiert wurde. Er wollte sich keine falschen Erinnerungen einpflanzen lassen und möchte lieber darauf warten, bis die Erinnerungen eines Tages von selber wieder zurückkommen.

Die Idee zu dem Buch kam ihm Jahre später anlässlich einer Beerdigung. Auch Parker war inzwischen krank geworden und war der Ansicht, man könne die Geschichte nicht einfach so untergehen lassen. Das Buch ist mit Schreibfehlern versehen, was Parker egal ist, weil er einfach nur Schreiben wollte wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Zu oft war er wegen seines Erlebnisses angegriffen worden, zu oft warem ihm falsche Worte in den Mund gelegt worden. Parker vertritt dabei interessanterweise einen inneren Drang, diese Welt zu erhalten und das Bewusstsein der Menschen zu erreichen. In diesem Teil erinnerte er mich sehr an andere Abductees und ihre Gefühle. Es haben sich auch immer wieder Entführte an Parker gewandt und er hat ihnen geraten, sich mit ihren Erlebnissen auseinanderzusetzen. Inzwischen ist Parker wieder in die unmittelbare Nähe zurückgezogen, als hätte er seinen Frieden mit sich gemacht.

Quellen:

Bericht auf MUFON mit Abschrift des Tapes auf dem Sheriffs Department: https://www.mufon.com/pascagoula-mississippi-case—1973.html

Weitere Ausschnitte aus der offiziellen Befragung: https://www.nicap.org/reports/731011pascagoula_hicksontape.htm

Ausschnitte aus dem Hypnose-Tape: http://www.apmagazine.info/index.php?option=com_content&view=article&id=1190&Itemid=194

Langer Artikel einer Reporterin aus der Gegend, die auf den Fall zurückblickt, mit einigen Bildern: https://www.sunherald.com/news/local/counties/jackson-county/article219679955.html

Artikel über Charles Hickson: https://eu.clarionledger.com/story/magnolia/2018/08/16/look-back-charles-hickson-tells-his-abduction-ufo-miss/1006116002/

Artikel über Calvin Parker: https://eu.clarionledger.com/story/magnolia/2018/08/13/alien-abduction-45-years-after-ufo-encounter-mississippi-man-breaks-his-silence/922706002/

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